Samstag, 13. Juli 2013

Kapitel 4 - Teil 77

Rauch kitzelte in meiner Nase und vertraute Stimmen drangen an meine Ohren. Noch war die Welt um mich herum schwarz, aber grelles Licht brannte auf meinen Augenlidern. Kurzentschlossen öffnete ich meine Augen. Statt in der Halle befand ich mich plötzlich wieder in der Gaststätte und saß den beiden Alten gegenüber. Der Füllige war gerade eifrig damit beschäftigt, auf den Professor einzureden.

„…habe ich dir doch gesagt, dass wir den Falschen ausgesucht haben. Er wird wie die vorherigen … Oh, schau an, wir haben Besuch.“

„In der Tat“, ergriff der Weißhaarige das Wort. „Es freut mich, dich wieder zu sehen, auch wenn du uns nur von deinem Scheitern berichten wirst, nicht wahr? Ich fürchte, wir haben dich noch nicht über die Konsequenzen ins Bild gesetzt.“

Fragend lasteten ihre Blicke auf mir und der Fettsack konnte sich ein feistes Grinsen nicht verkneifen. Noch bevor ich antworten konnte, zerrte etwas an mir, riss mich wieder aus der Wirtschaft, die hinter mir lärmend zusammen stürzte und schoss nach oben in den Himmel, tauchte erneut in Schwärze ein, die schon bald von einer feurigen Kugel durchbrochen wurde. Zuerst nur Stecknadelgroß wuchs die Kugel an und ich raste weiter auf sie zu. Heiß brannten ihre Strahlen auf meiner Haut und meine Augen schmolzen in ihrem hellen Licht. Trotz des Verlusts des Augenlichts leuchtete sie weiter. Weiter. Immer weiter.

Mit einem Schrei riss ich die Augen auf und sah schwarz. Eine schwarze Uniform war direkt vor meinen Augen und für einen Moment blieb mein Herz stehen. Erst als Anabelas besorgtes Gesicht auftauchte, entspannte ich mich wieder. In der linken Hand hielt sie eine Spritze, wie sie uns auch im Rahmen des militärischen Diensts ausgehändigt worden waren. Das Lodern in der Schulter war zurück gegangen, weit genug um wieder einen klaren Gedanken fassen zu können. Zumindest einen halbwegs klaren Gedanken. Meine Gesichtszüge entspannten sich und die Besorgnis in Anabelas Gesicht wich der Freude:

„Ist es dir eigentlich nicht peinlich, dich dauernd von einer Frau retten zu lassen?“

Erst verstand ich nur Bahnhof. Noch war ich halb in meiner Wahnvorstellung gefangen und nur langsam offenbarte sich mir der Sinn ihrer Worte, garniert mit dem wunderbarsten Lächeln, das jemals das Licht dieser Erde erblickt hatte. Ich konnte gar nicht anders, als zu lachen, unterließ es aber genauso schnell wieder, als die Schmerzen in der Schulter wieder überhand zu nehmen drohten.

Erleichtert warf sie das Röhrchen von sich und fasste um meine heile rechte Hand, um mich hoch zu ziehen, bemerkte dabei aber meinen gequälten Gesichtsausdruck.

„Tut es stark weh?“


„Nur wenn ich lache“, erwiderte ich mich einem betrübten Lächeln. 

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