Montag, 15. Juli 2013

Kapitel 4 - Teil 79

Durch die geborstenen Scheiben erkannte ich Bens massive Gestalt, wie er in unsere Richtung schauend über etwas gebeugt stand und dabei auf irgendwas eindrosch. In dem Moment ging ein Ruck durch die massive Pforte und gab uns langsam ruckelnd den Weg frei. In dem Moment startete meine Begleiterin den Motor und mit einem Ruck setzte sich der Wagen in Richtung der Ausfahrt in Bewegung.

Vorsichtig, den Straßengegebenheiten angepasst und doch viel zu langsam, bewegten wir uns über die Schneedecke in Richtung Freiheit. Nur wenige Meter von den Toren entfernt, sah ich Killer, wie er in dem vor dem Tor liegenden Kabuff letzte Zweifel darüber beseitigte, wer die besseren Argumente an diesem Tag hatte. Eine der Wachen wurde unsanft an die Scheibe geschleudert, die dank des verwendeten Sicherheitsglases dem Aufprall stand hielt. Im Gegensatz zu dem Kopf des Mannes. Protestierend stemmte sich das Glas gegen das Gewicht und vibrierte, hielt aber Stand, während wir gleichauf geschlossen hatten.

Der zweite Insasse war weniger Kompromissbereit und eröffnete das Feuer auf unseren Helfer. Drei Lichtblitze erhellten die Scheiben der Stube und verteilten Blut, Bens Blut, an einer Scheibe. Eine Kugel platzte an die Scheibe, die darunter in tausende Splitter zerbarst, aber immer noch stand hielt. Wie Spinnweben durchzogen die Sprünge das Glas und nahmen uns die Sicht auf das, was im Inneren vor sich ging.

Mit meinem heilen Arm umklammerte ich mein Gewehr, als sich die Tür öffnete. Erst als ich das geläuterte Schwarzhemd erkannte, entspannte sich mein Arm wieder und ich lockerte meinen Gurt, um weiter in die Mitte zu rutschen. Bens massive Gestalt würde mir nicht viel Platz lassen, aber unser Ziel war nicht weit entfernt, die Fahrtzeit entsprechend überschaubar. Es würde schon irgendwie gehen.

Langsam, viel zu langsam, humpelte er an der Wand entlang und nach einer gefühlten Ewigkeit hatte er die in den Vorbereich führende Tür erreicht. Fest zementierte sich bei mir die Überzeugung, dass sie verschlossen war und er den Weg zurück nehmen müsste, um sie zu entriegeln. Als er dagegen drückte, hielt ich die Luft an und sog sie erst wieder ein, als die Tür unter seinen massigen Händen problemlos aufschwang. Da hatte ich ihn wohl etwas unterschätzt.

Hätten in meiner Schulter nicht tausend Feuer getobt, wäre ich sicher hinaus gesprungen und ihm entgegen gelaufen. So saß ich einfach nur wartend da und sah ihm zu, wie er unter Aufbringung aller Kräfte die wenigen Meter zu unserem Wagen zurück legte. Blut lief aus mehreren Wunden und tropfte rot auf den Schnee, der unter dem warmen Lebenssaft leicht schmolz und sich an den Rändern rot färbte.


Nur noch wenige Schritte trennten ihn von der Tür, als ein wahres Gewitter losbrach. Kugeln schlugen in unseren Wagen ein, rissen Löcher in die Seite und zerfetzten das hintere vergitterte Fenster. Doch nicht nur unser Wagen wurde getroffen. Drei Geschosse trafen Ben, durschlugen seine Brust, einen Arm, seine Hüfte und vergossen sein Blut, vermochten ihn aber nicht zu stoppen.

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