Mittwoch, 24. Juli 2013

Kapitel 4 - Teil 88

Dann bewegten sie sich wieder und mit ihnen die Fahrzeuge. Wie Ameisen schleppten sie sie mit sich und bugsierten sie von der Straße herab, begleitet von knirschenden und schleifenden Geräuschen. Der dahinter liegende Gedanke war offensichtlich. Solange sie die Panzerung nicht durchdringen konnten, mussten sie der Besatzung die Möglichkeit nehmen, sich aus eigener Kraft befreien zu können. Ihre Reise würde wahrscheinlich in einem See, Fluss oder einer Grube enden.

Noch immer gebannt von der Urgewalt dieses Kollektivs begann ich erst nach einiger Zeit mir Gedanken über unser eigenes Schicksal zu machen. Ein Blick in Richtung meiner Fahrerin zeigte mir, dass es ihr ähnlich ging.

„Was war das?“, fragte sie, als sie meinen auf ihr ruhenden Blick bemerkte.

„Das weiß ich nicht, aber wir sind noch am Leben und das würde ich im Augenblick als gutes Zeichen werten“, erwiderte ich noch immer beeindruckt von dem, was sich eben vor unseren Augen abgespielt hatte.

„Warum fallen sie nicht über uns her?“, hakte die Ex-Polizistin nach, obwohl sie mit keiner Antwort rechnete und weil ich keine wusste, blieb ich einfach stumm und starrte weiter auf das, was da draußen auf uns lauerte.

Plötzlich lösten sich einige Gestalten aus ihren Reihen und traten vor uns. Ihr Äußeres war eindeutig genauso wenig menschlich wie das der anderen, unterschied sich aber von den uns zwei bekannten Spezies. Ihr Fell war blütenweiß wie der Schnee, ihre Augen dunkel wie die Nacht und ihr Körperbau weniger maskulin. Auch wirkten ihre Zähne und Krallen nicht so deformiert, wie bei den uns bisher untergekommenen Vertreter ihrer Art.

Noch während ich überlegte und den fragenden Blick meiner Begleiterin auf mir spürte, setzte ein unheimlicher an Musik erinnerndes Geräusch ein, dass aus den Mündern der Weißfelle stammte. Sofort erkannte ich es als das Geräusch aus der Kirche und wie damals hüllte es mich ein und nahm mich mit auf eine Reise. „Wehr dich nicht dagegen“, flüsterte ich Anabela noch zu und begab mich auf eine Reise in die Innere Einkehr.

„Scheint so, als hättest du es geschafft“, begrüßte mich der Dicke, bevor er genüsslich an seiner Pfeife zog und den Rauch in Kringeln wieder auspustete.

„Du hast es uns aber auch nicht leicht gemacht und viele von uns wurden heute getötet. Und doch waren sie bereit, sich für dich zu opfern. Ich hoffe, du weißt warum“, ergänzte der Bärtige und sah mir tief in die Augen, die die Schwärze der Weißfelle angenommen hatten. Auch die Augen seines Gegenübers waren plötzlich tiefschwarz, oder waren sie das schon immer. Ich konnte mich nicht daran erinnern.


„Es geht um mehr als dein Leben, es geht um unsere gemeinsame Zukunft. Unser gemeinsames Zusammenleben auf diesem Planeten. Um nicht mehr und auch nicht weniger“, setzte er nach. 

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