Donnerstag, 25. Juli 2013

Kapitel 4 - Teil 89

„Und wie stellt ihr euch das vor?“, platzte es aus mir heraus. „Wollt ihr uns als Schlachtvieh halten? Ich weiß nicht mehr, was oder wem ich glauben soll. Ich habe Aufnahmen gesehen, wie ihr in von Menschen kontrolliertes Gebiet eingedrungen seid. Männer, deren Wort in meinen Ohren glaubhaft klingen, stellten die Sachlage etwas anders dar.“

Meine Worte waren nicht ohne Wirkung. Mit Wucht schlug der Dicke auf den Tisch und beinahe wäre ihm die Pfeife dabei aus dem Mund gefallen. Nur knapp griff er mit seiner anderen Hand danach und hob sie auf den Tisch.

„Glaubhaft“, brüllte er. „Denkt ihr denn, ihr habt eine glaubhafte Alternative? Wir sind euch zahlenmäßig und physisch überlegen und reichen euch die Hand zu einer gemeinsamen Zukunft. Natürlich gehen wir nicht von einer gleichberechtigten Partnerschaft aus und natürlich werden wir Bedingungen stellen. Aber viele von euch werden wieder ein normales Leben führen können.“

„Was mein Freund sagen will“, fuhr der Bärtige fort „ist, dass unsere Zukunft vor allem auf gegenseitigem Respekt und Sicherheit basieren wird. Ihr lebt unter unserem Schutz und dafür werdet ihr uns von Zeit zu Zeit einen Gefallen erweisen und unsere Forderungen erfüllen. Dafür dürft ihr wieder in eure Häuser zurückkehren und zu einem normalen Leben. Einer Führungskaste gewähren wir besondere Privilegien. Alles was ihr tun müsst, ist die Kooperation mit uns einzugehen.“

Fast freundlich lächelte er mich an, während sein Gegenüber noch immer verärgert und aufgebracht drein blickte. Das ganze erinnerte mich an das Spiel, in dem zwei Seiten verschiedene Rollen einnahmen, um mit Zuckerbrot und Peitsche das Opfer psychologisch auf die eigene Seite zu ziehen. Natürlich hatten sie damit Recht, dass die Alternative heißen würde, ein Leben lang in einem engen, stickigen Bunker zu verbringen und mit der Zeit um Vorräte kämpfen zu müssen. Dann war da noch das Problem, dass wir gerade von Tausenden von ihnen umzingelt waren, und eine Absage eventuell nicht zu unserem Vorteil gereichen würde.

„Von welchen Gefälligkeiten reden wir?“

„Nun, nichts Besonderes“, antwortete der Bärtige ruhig und gefasst. „Ihr vermehrt euch und teilt eure Population mit uns. Ihr gebt uns die Kranken und die Schwachen und wir euch Frieden und Freiheit.“

Obwohl ich mit einer ähnlichen Antwort gerechnet hatte, war ich schockiert über die Art und Weise, wie sie mir überbracht wurde.

„Menschenopfer? Ihr redet davon, dass wir euch Menschen opfern sollen?“, polterte ich erzürnt los. „Das ist keine Partnerschaft, das ist Mord und Kannibalismus.“


„Das ist vor allem eure einzige Chance und deine einzige Chance. Wir können dich zerfetzen und deinen Tod zu einer einzigen Qual machen, wenn du willst. Oder du willigst jetzt und sofort ein, mit uns zusammen zu arbeiten“, dröhnte der Fette, während der andere erneut den Besonnen gab.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen