Samstag, 27. Juli 2013

Kapitel 4 - Teil 91

Alles redete ich mir von der Seele und konfrontierte sie mit ihren eigenen Geistern der Vergangenheit und dem Bens Schicksal, die aus Benny Killer geformt haben. Am Anfang eher beiläufig, später immer hellhöriger lauschte sie meinen Ausführungen und zuckte kurz zusammen, als die Sprache auf ihren toten Ehemann und das Spiel auf der Wiese kam.

„Es war letzten Sommer, als alles anfing. Es war der letzte Tag, an dem wir zusammen ausgelassen als Familie verbringen konnten. Danach änderte sich alles. Einsatzbesprechungen und zusätzliche Schichten verlangten nicht nur mir mehr ab, als meinem Familienleben gut tat. Kurz bevor alles zusammenbrach, wurden wir den Schwarzhemden unterstellt. Eine mir schon damals suspekte Truppe rund um Roggel, die sich aus zwielichtigem Gesindel zusammen setzte.

Schon am ersten Tag kam es zu Auseinandersetzungen, weil sich viele meiner Kollegen nicht dem Diktat dieses Abschaums beugen wollten. Zu vielen waren ihre Taten ins Gesicht geschrieben und nicht wenige, hielten mit ihnen nicht hinterm Berg. Am Ende wurden wir faktisch nur noch zur Sicherung herangezogen, während die Schwarzhemden langsam die Kontrolle übernahmen. Einige, weniger skrupellose Kollegen, wechselten gar ihre Gesinnung und schlossen sich ihnen an. Üble Karrieristen, die mit ihren Leistungen viel zu oft ohnehin nicht überzeugen konnten und den Polizeidienst mehr als ihre persönliche Spielwiese, ansahen.

Hier sahen sie ihre Chance und konnten sich uns gegenüber endlich als tolle Hengste aufspielen. Einer von den Schweinen hatte schon in der Ausbildung ein Auge auf mich geworfen und sah seine Chance gekommen. Naja, am Ende sah es so aus, dass Martins Faust seine Nase brach und dafür in den Arrest wanderte. Dort, wo zuvor die Vergewaltiger und Verbrecher aus Roggels Truppe einsaßen, wurde Martin unter dem Gelächter und dem Spott dieser Dreckskerle inhaftiert.

Schlimmer noch fand Roggel selbst Gefallen an mir und begann mir Avancen zu machen. Als erstes wurde ich von ihm persönlich für seinen Stab angefordert. Mein diesbezüglicher Protest erreichte niemand mehr, weil zu dem Zeitpunkt schon große Teile der Organisation zerfallen waren. Kurz darauf kam der Zusammenbruch und bei diesem Schwein brachen alle Dämme. Natürlich wollte er meine Ablehnung nicht so einfach hinnehmen und begann mir zu drohen, danach vergewaltigte er mich.


Die ersten Male schrie und wehrte ich mich, was mit Schlägen und Tritten quittiert wurde. Irgendwann beschloss ich dann, mich einfach hinzugeben. Ich zog mich in mein Innerstes zurück und ließ ihn gewähren. Ich fühlte nichts mehr und klammerte mich in meinen Gedanken an jenen Tag im Sommer. Immer und immer wieder warfen wir uns in meinen Gedanken den Ball zu und so verdrängte ich bald das Elend, in dem ich steckte. 

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