Mittwoch, 31. Juli 2013

Kapitel 4 - Teil 95

Es gab viel zu erzählen. Das meiste meiner Geschichte wurde bereits von Anabela zu Protokoll gegeben und ich bestätigte nur das Gesagte, oder ergänzte es an einigen Stellen mit eigenen Eindrücken. Unsere Flucht blieb nicht ohne Folgen. Bereits vor unserer Ankunft überschlug sich der Funk und die letzten Sekunden unserer Verfolger konnten unverschlüsselt mitgeschnitten werden. Die gepanzerten Transporter funkten demzufolge noch einige Minuten, bevor auch ihre Funkgeräte verstummten.

Dank unserer Warnung bereitete man sich auf einen Angriff vor und befestigte die Außenstellung auch so, dass sie menschlichen Angreifern mit Gewehren und Granaten stand halten konnte. Die Zahl der freiwilligen Helfer war indes rasant angestiegen und auch meine Frau war zum Dienst an der Waffe herangetreten und leitete zudem das zivile Komitee, das die Interessen einer zivilen Regierung geltend zu machen versuchte, um dem Militär die alleinige Kontrolle zu entziehen. Ein langwieriger und schwieriger Prozess, aber der Oberst erklärte sich zu Gesprächen bereit.

Verstärkt wurde der Effekt durch den Kontakt zu anderen von Menschen bewohnten Bunker- oder Militäranlagen. Nur zwei Tage nach unserer Abreise fing man den Funkspruch eines Konvois auf, der mit mehreren zivilen Fahrzeugen auf der Suche nach Unterkunft war. Notdürftig bewaffnet hatten sie sich quer durch die ehemalige Republik geschlagen und berichteten von mehreren besetzten Festungsanlagen, in die sich Überlebende zurückgezogen hatten. Mit diesen Informationen wurden Teams ausgeschickt, Kontakte herzustellen und ggf. bei der Errichtung von Funkanlagen zu helfen.

Erwähnenswert an der Reise war, dass sie nicht einmal von den „anderen“ attackiert wurden. Die Rolle der Monster bei unserer Flucht war bereits von Anabela dargelegt worden, was ein Gremium nach sich zog, in dem der moralische Aspekt der Entdeckung diskutiert und zur Diskussion gestellt wurde. Meine Erfahrungen gaben den Ausschlag zu einer tiefen Beschäftigung über das von den Mutanten ausgehende Gefahrenpotenzial. Das vorgeschlagene System von menschlichen Tributen zum Tausch gegen unsere Existenz wurde zwar abgelehnt, aber der Anteil derer, die dazu bereit waren, war erschreckend hoch. Selbst meine Frau führte eine flammende Brandrede, sich auf diese Weise mit den Wesen zu verständigen und so endlich wieder in Freiheit leben zu können. Andere dagegen schlugen eine Flucht vor, wussten aber auch nicht wohin. Zudem war nicht sicher, ob sie uns gehen lassen würden.

So sitzen wir hier und warten. Wir warten auf die Schwarzhemden und darauf, wie lange die neue Spezies noch auf unsere Antwort warten würde. Das Problem ist, sie haben Zeit, wir nicht. Wir sitzen hier wie die Ratten in der Falle und nicht wenige warten, dass man uns ein Stück Käse vor die Nase hält, um noch tiefer in Scheiße zu waten. Die einfachen Lösungen sind meist im Nachhinein die schwierigsten. Hoffentlich wirft niemand den ersten Stein.


Ende



Über Feedback / Kommentare / Kritik würd ich mich freuen. 

Kommentare:

  1. Uups !

    Da hast Du uns ja ein dickes Ding hingelegt ;-)

    Zuerst Mal Danke für Deine schriftstellerische Leistung, die sich hinter der der "Profis" nicht verstecken muss.
    Es ist toll, was Du so für eine Phantasie entwickelst und einfach geil, wie es Dir gelingt, das Ganze rüber zu bringen. Allerdings gebe ich auch gerne zu, dass ich das Ganze bis jetzt noch nicht so richtig "verdaut" habe. Nachdem man sich eingelesen hatte, musstest Du ja auch promt eine unerwartete Wendung in das Ganze bringen, um die Leser zu "verwirren", und das gleich zweimal.

    Eines sollte Dir allerdings jetzt klar sein: Ich weiß ja nicht, wie es anderen Lesern geht. Mich allerdings kannst Du mit Deinem "Ende" nicht so einfach abspeisen!

    Dein "Schluss" schreit förmlich nach einer Fortsetzung. Jeder "ordentliche" Leser will schließlich sein "happy end" und ich will unbedingt lesen, wie die Schwarzröcke jetzt aufgemischt werden und wie sich Menschen und Monster einigen - oder auch nicht!

    Also - setz Dich hin und fang an - Du hast es selber so gewollt ;-)

    Und nochmal ganz vielen Dank für die tolle Story.

    Viele Grüße von Andreas

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  2. Oh, wow, danke für den ausführlichen Kommentar und natürlich auch für das Lob.

    Mir hat die Geschichte beim schreiben richtig viel Spaß gemacht. Grad die Twists und der für mich eher unkonventionelle Mittelteil, wenn der übrigens bis zum Ende namenlose Hauptdarsteller innerlich zur Hysterie neigt, bevor der seltsam beschwingte Teil durch eine brutale Tat jäh beendet wird. Ich hoff, das ist beim Lesen auch so rüber gekommen. Das ist ja das Schwierige: man denkt sich etwas dabei und hofft, dass der Leser das genauso auffasst. Ob ich die Geschichte fortsetze, weiß ich aber noch nicht. Bisher war die Resonanz und das allgemeine Feedback eher nicht so überragend. Auch die allgemeinen Zugriffe blieben hinter denen der Zombie-Geschichten zurück. A bisserl schade. Natürlich schreib ich ein Stück weit für mich selber, aber Feedback ist schon wichtig für die eigene Motivation.

    Außerdem hätt ich noch Ideen für andere Geschichten (an SciFi würd ich mich gern mal versuchen - ich hätt da schon so ein paar lose Gedanken, andererseits ist es einfacher Bekanntes zu beschreiben, als ein neues Universum quasi zu erfinden, dass dann auch noch schlüssig wirken sollte...) und das Buchprojekt 1943 Operation Untot (Teaser: http://www.youtube.com/watch?v=Ip3sTLarg_Y) wartet auch noch auf Vollendung. Die Hitze momentan ist aber auch alles andere als inspirierend und aktuell hab ich auch nix mehr in der Hinterhand.

    Als nächstes wird's die Tage mal die komplette Geschichte als PDF zum Download geben. Sobald ich einen Namen dafür habe. Nein, ich hab immer noch keinen. Vorschläge sind gern genommen.

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    1. Warum nennst Du sie nicht einfach "Satanic Whisper" ?
      Bei mir hat sie von Anfang an diesen "Arbeitstitel".

      Das mit den Zugriffen tut mir leid. Ich hätte das Gegenteil erwartet, zumal es ja mal etwas anderes ist als der gängige "Einheitsbrei".

      Ich habe mir gerade die beiden "Z.A.Recht-Bücher" Und das Tagebuch der Apokalypse 3 "gegönnt". Das ist aber genau das: Gut gemachte Bücher, aber eben immer irgendwie das Gleiche. Zumal ich beim Stöbern zur Zeit das Gefühl habe, dass gerade so eine Art Zombie-Mode läuft.

      Das fehlt mir dann ein wenig der Überraschungseffekt, so wie bei Deiner Geschichte, wo es jedesmal so war, dass man sich sagte "OK, den Rest kenn' ich" und dann machte es plötzlich Peng und der Handlungsstrang schlug auf einmal einen Haken. Und das machte dann Appetit auf die Fortsetzung.

      Andreas

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    2. Hmja, aber irgendwie sträub ich mich noch so ein Stück weit gegen einen englischen Titel. Vor allem glaub ich auch, dass der zu nichtssagend wäre. Im Prinzip kann man sich darunter ja nichts vorstellen.

      Ich glaub, das war auch das Problem. Viele Leser haben meinen Blog auf der Suche nach einer Zombie-Geschichte gefunden. Nach behaarten namenlosen Kreaturen sucht man wohl nicht so häufig auf Google. :) Ein Blog ist vielleicht auch nicht so zwingend das ideale Medium. Das muss ich mir zukünftig noch durch den Kopf gehen lassen, ob sich der Aufwand da lohnt. Man veröffentlicht Geschichten ja, damit sie gelesen werden. Vielleicht war auch der Prolog zu lang. Oder zu konfus.

      Dass da grad so eine kleine Zombie-Welle rollt, ist mir auch schon aufgefallen. Gut, ich möcht mich da nicht beschweren, oder das anprangern. Bei meinem Portfolio... :)

      Die Recht-Bücher fand ich eigentlich ganz gelungen. Klar, irgendwie schon more of the same, aber das auf einem guten Niveau. Bei Tagebuch der Apokalypse bin ich mir noch unschlüssig. Das Ende von Band 2 war ... etwas komisch und laut den Amazon-Rezensionen soll Band 3 wohl der Tiefpunkt sein und ein recht gehetztes Ende haben. Naja, mal schaun. Irgendwann werd ich mir das Buch sowieso kaufen.

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    3. Also erstmal ein großes Danke für die, wie nicht anders, gewohnt gute Unterhaltung. So ganz konnte ich mich nicht immer für den Storyverlauf erwärmen, aber im Großen und Ganzen hat es mir doch gefallen und das lesen Spaß bereitet.
      Eine Fortsetzung würde mich freuen, aber
      Zombies > die Anderen.

      Aktuell bin ich auch am überlegen, ob ich mir "Das Tagebuch der Apokalypse 3" bestellen soll. Das Ende des zweiten Teils hat mich der Fortsetzung skeptisch entgegenblicken lassen und die Amazon-Rezensenten lassen ja nicht viel gutes verlauten.
      Die "Z. A. Recht"-Bücher waren bisher solide Kost und ich freue mich auf Teil drei.

      Wie findest du eigentlich den "World War Z" Movie?
      Habe ihn mir noch nicht angesehen und bisher nur Sachen gehört wie" Verglichen mit dem World War Z Movie ist der Starship Troopers Film eine sklavische Buchverfilmung"

      Thex

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    4. Sagen wir so: meine Enttäuschung zu WWZ hat sich insofern in Grenzen gehalten, dass ich schon im Vorfeld mitbekommen hab, dass die Verfilmung mit dem Buch nichts, aber auch gar nichts zu tun hat.

      Vielleicht konnte ich aus dem Grund da auch recht unverkrampft an den Film herangehen und mich an seinen Stärken erfreuen. Die hat er nämlich durchaus. Von Anfang an wird man als Zuschauer quasi durch den Film getrieben und von Schauplatz zu Schauplatz gehetzt. Die gezeigte Panik vermag sich durchaus auf den Kinogänger übertragen, sofern man es denn zulässt. Das Tempo, das der Film aufbaut, ist eine Klasse für sich.

      Wer von vornherein mit einer Portion Skepsis da rein marschiert und eh nur vorhat am Ende aufzuzählen, was da anders war als im Buch (quasi alles), der wird keine Freude haben.

      Wenn man aber vom Titel mal weggeht und das ganze mehr als Hommage betrachtet, dann ist der Film toll und man findet die eine oder andere Anspielung auf WWZ und den Zombie Survival Guide. Mehr aber auch nicht.

      Achso, ja, das letzte Drittel. Das passt in der Tat überhaupt nicht rein. Ewig schade, dass man das eigentlich vorgesehene Ende (http://www.comicbookmovie.com/fansites/notyetamovie/news/?a=82090) nicht drin gelassen hat. Das hätte wesentlich besser zur Stimmung und dem Tempo des Films gepasst.

      Man muss sich halt am Ende damit abfinden, dass die Zombies nicht dem Genre-Kanon entsprechen und der Film überhaupt a bisserl blutleer ist. Wobei mich letzteres jetzt weniger stört. Ich war ja mehr auf eine spannende Geschichte, und weniger auf ein Gore-Fest aus.

      Würd ich das jetzt in eine Wertung pressen, dann würde die so zwischen 7 - 8 von 10 pendeln. Wegen dem schwachen letzten Viertel eher 7, aber bis dahin eher 9.

      tl;dr: WWZ ist wie Contagion mit laufenden Zombies. Genrefreunde greifen zu. :)

      Apropos noch kurz zu meiner Wortwahl "die Anderen" - ich les grad GoT und da gibt's auch "die Anderen"... D'Oh...

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