Montag, 14. April 2014

Trashfilmabend of the Dead Reloaded Part 1


Ein weiteres Mal lud Khalil Böller, bekannt aus dem Celluleute-Podcast, zum Trashfilmabend im kleinen Kreis und erneut griff er tief in sein Archiv, um den geladenen Gästen Filme weit abseits des Mainstreams zu präsentieren. Kleine Perlen und Filme, die besser nie das Licht der Welt erblickt hätten, wechseln sich ab und sind doch in ihrer Mischung homogen. Irgendwie. Allen Filmen gemein ist, dass sie zumindest in Deutschland keinem größeren Publikum bekannt sind. 

Wie schon beim letzten Mal wird auch dieses Mal Khalil Gastkommentare beisteuern, und so bei diversen Filmen eine etwas andere Sichtweise beisteuern. 

Khalil: Zur Filmauswahl - generell wollte ich dieses Mal das Setting nicht so SF-lastig machen, auch wenn das nach wie vor ein extrem weites Feld ist, mit welchem man mehr als einem Abend füllen könnte, weswegen ich das Programm ein wenig bunter gestaltet habe. 

Andreas: In der Tat war der letzte Abend etwas SF-lastig. Doof nur, dass ich an dem Abend mein persönliches Waterloo erlebt habe, weshalb es auch keinen Blogeintrag dazu gab. Immerhin hab ich daraus gelernt und diverse Maßnahmen daraus abgeleitet, die sich an dem Abend bewähren sollten. 

Mit Elan starteten wir in den Abend und der erste Film des Abends präsentierte dann auch gleich eine Ikone des deutschen Boxsports. Rene Weller, genannt der schöne Rene, versuchte Mitte der 80er Jahre sich im Filmbusiness ein zweites (drittes?) Standbein aufzubauen. Mit eher überschaubarem Erfolg. Trotzdem ist Macho Man eine kleine Perle und der ideale Eröffnungstitel für einen feuchtfröhlichen Abend. 


Die komplette Garde an Menschen, die so tun, als wären sie Schauspieler, rettet sich mehr schlecht als recht über die komplette Filmdauer, die mit mehreren Handlungssträngen eine Handlung vortäuscht, die so nur in den Köpfen des Drehbuchschreibers existiert haben kann.


Die Haupthandlung dreht sich wohl um Drogendealer, die mal hie, mal da, unmotiviert in die Handlung geschrieben wurden, die Nebenhandlung soll wohl den Charakteren irgendwie Profil geben, versagt dabei aber komplett. Sowohl der von Rene verkörperte Charakter, als auch der zweite Hauptdarsteller bleiben bis zum Schluss so blass wie ein Stück weißes Papier und überzeugen nur durch wahlweise ihre unglaublich haltbare Föhnwelle, oder ihre extrem plumpen Anmachsprüche.

Dazu passt es dann ja, dass rund 50 % der Filmzeit dafür draufgehen, dass man den Darstellern beim Training zuschauen darf, oder Showkämpfe in einer Nürnberger Disco vor 20 Leuten, mit einer Soundkulisse von einem Weltmeisterschaftskampf unterlegt. 

Funfact: Der Film wurde am Ende komplett nachsynchronisiert. 

Eyecandy: Bea Fiedler, aber eher aufgrund ihrer 80er-Jahre Taft-Overkill-Frisuren. 

Fazit: Grandioser Auftakt für einen Abend der Superlative. 

Khalil: Gestartet wurde mit einem echten Klassiker des deutschen Actionfilms, der aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen nie so bekannt wurde, wie andere Produktionen um die Zeit - die Rede ist von Macho Man mit Rene Weller! Der Rene Weller? Das boxende Großmaul, der wegen Drogenhandels im Knast saß, seine Frau regelmäßig geschlagen hat und der in Talkshows sich für keine Scheiße zu schade war? Ja, genau der.

Der hatte sein Filmdebüt 1985 in diesem, in Nürnberg gedrehten Actionfilm. Zur Story - Rene, äh, Dany, kommt einem Mädel, welches von bösen Drogenhändlern unter Drogen gesetzt werden soll, zur Hilfe. Kurze Zeit später vereitelt er mit einem anderen Typ, seines Zeichens Karatemeister, einen Banküberfall. Dummerweise sind dann der Karatemeister und Weller beide scharf auf das gleiche Mädel. Und dann...ach, lassen wir das, denn eine Story ist eigentlich nur sehr lose vorhanden, weswegen der Regisseur auch weite Teile des Films Trainings- und Kampfsequenzen von Weller und dem Karateheini verwurstet hat. Dazwischen ab und an Bea Fiedler, bekannt aus Eis am Stiel, die beiden Jungs schöne Augen macht (zumindest, das was sie dafür hält), ach ja, und eine Breakdanceeinlage gibt es auch noch.

Der Film glänzt nicht nur mit Schauspielern, die irgendwie wirken, als ob es sich um Menschen handelt, bei denen jahrelange Inzucht gepflegt worden ist (hier sei der Sidekick des Karateheinis, speziell sein blendendes Lächeln, besonders erwähnt, ebenso, dass der Film komplett synchronisiert wurde, weil wohl weder Weller noch der Karateschauspieler so sprechen konnten, dass Leute außerhalb von Franken oder Baden die Beiden verstanden haben). Nein, auch die Dialoge, die direkt aus der Hölle zu kommen scheinen, sowie Frisuren und Klamotten, für die man sich selbst in den 80ern geschämt hat tragen zum unglaublichen Charme des Films bei. Dazu noch das Filmsetting an sich, das durch abwechslungsreiche Drehorte und Setausstattung hervorsticht.

Sehr geil ist beispielsweise die Disco, die ca. 70% der Drehorte ausgemacht haben dürfte, denn sie war nicht nur eine Disco, nein, auch die Boxkämpfe wurden in ihr gedreht. Gut, man hat meistens nur immer nur die gleichen 4-5 Zuschauer gesehen, aber dafür wurde ein Tonband eingespielt mit einer Geräuschkulisse, als ob die Jungs im Madisons Square Garden  boxen würden. Sehr schön. :)

Ach, und vergessen wir mal nicht die Dealerwohnung, die so richtig runtergekommen wirkte. Dank einem Totenkopf und Sexpistols Schriftzug auf der Blümchentapete wurde schnell klar gemacht, wer hier die Bösen sind. Sowie die grandiosen selbstgemalten Plakate Marke "Hauptschule, 4. Klasse, die auf den Kampf zwischen dem Boxer und dem Karatehoschi hingewiesen haben („Nur ganz faires Kräftemessen, weisstu?“) - der erst zum Filmklimax hochstilisiert, dann übrigens abgebrochen wurde, schließlich mussten die beiden Jungs ja noch die Dealer hochnehmen (Da war doch was!).

Fazit: Grandioser Trashstreifen, der so ziemlich alles falsch macht, aber genau deswegen der perfekte Opener war und den Beweis abgeliefert hat, dass man nicht immer nach Italien schauen muss, um richtige Scheiße zu finden.

In der Ursprungsfassung waren übrigens noch eine Sexszene mit der Fiedler und Weller drin. Weller hat es aber per Unterlassungsklage geschafft, dass diese rausgeschmissen werden mussten - egal, dennoch (oder gerade deswegen) sehenswert!

Jedenfalls, ich hatte das Gefühl, dass der Film ein ziemlicher Treffer bei den anwesenen Herren war, so dass es mit dem zweiten Film weitergehen konnte, mit dem es dann, „hell yeah!“, in die Zukunft ging.

Andreas: In der Tat war nicht nur ich von dem Film begeistert. Der ideale Opener, der aber vom nächsten Film locker getoppt wurde. Leider hab ich dafür nicht mal einen Trailer auf Youtube gefunden. Der Titel "She" ist aber auch extrem undankbar für eine Suche. Der deutsche Zusatz "...eine verrückte Reise in die Zukunft" gibt aber schon mal einen Indiz, wohin die Reise geht. 

In einer Art Endzeit zieht eine kleine Gruppe bestehend aus dem blonden Hünen Tom, Dick und Tom's Schwester durch die von Atombomben zerstörte Rest-Zivilisation. Naja, auf jeden Fall wird die Ische von den bösen Norks entführt. Dass sie böse sind, wird durch die Hakenkreuze auch mehr als deutlich gemacht. 

Danach werden sie irgendwie von der männermordenden Göttin (?) "She" gefangen genommen, können fliehen, entführen die Göttin (warum?), durchqueren mehrere Königreiche mit abgefahrenen Endzeitvölkern (Vampire, religiöser Kult, verrückter Professor, Pockenkolonie…) und bedienen sich aller möglichen Requisiten, die wahrscheinlich grad irgendwo so rumstanden. 

Am Ende ist die männermordende Göttin She plötzlich ganz handzahm und alles ist im Butterkuchen. Soweit, so belanglos. 

Was den Film aber zu einem idealen Trashfilmabendkandidaten macht ist die Synchro.
Der deutsche Verleih wusste offensichtlich mit dem Ausgangsmaterial nicht viel anzufangen, und verpasste dem Ding eine launige Quatsch-Synchro, die so doof ist, dass sie schon wieder gut wird. Beispiel: 

„Gibt’s die Löcher auch einzeln?“
„Nein, nur mit Käse!“
„Hm, ich mag keinen Käse!“.

Dem Film auf wenig Platz gerecht zu werden ist demnach schwer, weil die belanglose Handlung durch die Quatsch-Synchro wirklich aufgewertet wird. Noch schwerer ist das, was man da gesehen hat, irgendwie in Worte zu fassen. Der rote Faden, an dem sich der Film entlang hangelt, ist dünn, die Schauspieler erinnern an Komparsen aus drittklassigen italienischen Sandalenfilmen. Die Kostüme teilweise auch. Am Ende ist das aber eh alles egal, weil man vor lauter Lachen und an den Kopf greifen ohnehin nicht mehr auf die Handlung achtet. 

Funfact: Der Film nimmt sich im Original wohl bierernst. 

Eyecandy: Sandahl Bergmann. Also irgendwie. Wenn sie Ketten liegend ausgepeitscht wird, ist das ein Rückschlag für die Emanzipation, aber zumindest hält sie dabei die Klappe. Ein echter Gewinn für den Film. 

Khalil: SHE...eine verrückte Reise in die Zukunft ist in der Tat ein sehr seltener Film, der es bis dato nur in England und Italien auf DVD geschafft hat, ab und an aber bei MGM HD ausgestrahlt wird – immerhin. Von meiner alten VHS Verleih-Kassette habe ich mir dank modernster Technik den Streifen auf den Computer gezogen, so dass wir für den Filmgenuss nicht auf VHS-Technik angewiesen waren. 

Immerhin ist She keine komplette italienische Produktion, sondern auch die USA hingen mit drin, wenngleich der Film erst drei Jahre später nach Erscheinen in den USA lief. Wo, das weiß kein Mensch.

Der Film greift die Story von "She...Herrscherin einer versunkenen Welt" auf, eigentlich ein Klassiker u.a. aus den Hammerstudios und verfrachtet die Storyline in eine postapokalyptische Zukunft.

Zur Story - die Welt ist mal wieder untergegangen, Menschen leben in Stämmen zusammen. Der blonde Hüne Tom mit seinem Sidekick und seiner Schwester leben vom Handel, bis ihre heile Welt zusammenbricht, als die Schwester von den bösen Norks (erkennbar am fiesen Roadpunkoutfit, stilecht mit jeder Menge Hakenkreuzen auf den Klamotten) entführt wird. Tom und sein Sidekick geraten dann noch in die Hände der Göttin SHE, gespielt vom Playmate Sandrahl Bergman, auch bekannt aus Conan der Barbar, die sich aber dann mit den Jungs zusammentut, und sich aufmacht, mit ihnen in Richtung böser Norks zu marschieren.

Was dann folgt ist Filmkunst nach dem Motto "mehr ist mehr", denn neben den obligatorischen Roadpunks, bietet der Film so ziemlich jede Kreatur der letzten 50 Filmjahre auf - Amazonen, Ritter, bandagierte Leprakranke mit Stihlkettensägen, Werwöfe oder Vampire, Mad Scientists, einem fetten Typ im Balletttütü und Gasmaske, Axt schwingende Kultisten, die einen Mutanten mit dem Namen Godan anbeten (der als Symbol Hammer und Sichel auf seinen Flaggen trägt) bis hin zu einem Typ, der, ach, das lassen wir mal. :)

Erwähnenswert sei noch der Endkampf, in dem die drei es mit jeder Mange cleverer Fallen mit der ganzen Armee der Norks aufnehmen - sowas hat man noch nicht gesehen!!!

Jedenfalls, das deutsche Synchronstudio scheint erkannt zu haben, dass es sich um Grütze feinster Art handelt, weswegen man dem Machwerk eine sehr launige Synchro Marke "Die Zwei" verpasst hat, was den Film, der tatsächlich ernst gemeint war, ein wenig klamaukig und dadurch erträglicher wirken lässt. Und auch die Schauspieler, gerade die Bergman scheint, egal was gerade passiert, wirklich nur einen(!) Gesichtsausdruck zu kennen, spätestens nach dem Streifen ziehe ich meinen Hut vor der schauspielerischen Leistung, die Bea Fiedler bei Macho Man abgeliefert hat.

Trailer gibts keinen, allerdings gibt es den Film komplett auf YT (leider nur in Englisch), dennoch ein kleiner Ausschnitt:

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen