Montag, 9. März 2015

Trashfilmabend of the Dead V5 (2015 Edition) - Teil 1

Khalil, bekannt aus dem Celluleute-Podcast, ruft und die Trashfilmjünger folgen. Bereits zum fünften Mal fanden sich Liebhaber der etwas anderen Filmkunst (die Filme sind nicht schlecht, nur besonders) in den heiligen Hallen ein, um sich von einem handverlesenen Filmprogramm den filmischen Horizont erweitern zu lassen. Wie auch die letzten Male, wird der Meister persönlich meine Kommentare um seine Sichtweise ergänzen.

Erneut gab es Obskuritäten und Filme, die eigentlich nie das Licht der Öffentlichkeit erblicken sollten. Filme, die oft nur unter der Zuhilfenahme von alkoholischen Getränken ihren vollen Reiz entfalten und die sich jedem ernsthaften Bewertungssystem entziehen.

Das dreckige halbe Dutzend. 
Mit anderen Worten: die ideale Vorbereitung für das diesjährige B-Film-Basterds in Nürnberg. Wer im Mai Zeit hat und nicht am anderen Ende der Welt wohnt, sollte sich definitiv das Spektakel dort mal geben.

Zurück nach München. Begonnen haben wir nach der traditionellen Trailershow (die es diesmal für alle Besucher auf DVD als Gastgeschenk gab) mit …

Django Nudo und die lüsternen Mädchen von Porno Hill

Oder wie wir ihn spontan umbenannten: Django Nudo – Was machst du da mit den Pferden?


 Obwohl der verworrenen Handlung kaum jemand zu folgen vermochte, ist die eigentlich gar nicht so kompliziert. Im Endeffekt geht’s um eine Lehrerin (Spitzname Schneeflittchen), die in Porno Hill das Erbe ihres Vaters antreten will. Dabei wird sie vom geilen Cowboy Django unterstützt. Das hat sie auch bitter nötig. Alle Schurken von Porno Hill sind nämlich hinter der Karte zu einer geheimnisvollen Mine her und sind bereit, dafür über nackte Frauen zu gehen.

Noch sitzt das Mieder
Präsentiert wird das mit viel nackter Haut und einem Talent, diese mit möglichst wenig Erotik auf die Leinwand zu bringen. Sollte dann doch mal ganz kurz der Gedanke aufblitzen, dass es sich um eine hübsche Frau handelt, grätscht gleich mal die Synchro dazwischen, die versucht auf Quatschsynchro (Marke Bud Spencer und Co) zu machen, aber selbst dabei kläglich versagt.

Dass anzügliche Wörter sehr inkonsequent ausgepiepst werden und zu erotische (haha) Szenen schwarz (oder rot – darüber kann man sich streiten) überblendet werden, versetzt dem Film endgültig den filmischen Todesstoß. Da ist es dann auch schon egal, dass man, um auf Spielfilmlänge zu kommen, Szenen in komplett anderer Umgebung nachgedreht und unmotiviert in den Film geschnitten hat.

Oder anders gesagt: Großartiger Titel, großartiger Film.

Khalil: Als Opener habe ich mir Django Nudo und die lüsternen Mädchen von Pornohill herausgesucht, eine Sexklamotte aus dem Jahr 1968. Nun, Sexfilmchen gibt es ja viele, und nicht wenige davon sind heute unfreiwillig komisch, aber Django Nudo dürfte unter allen Sexklamotten tatsächlich das Kronjuwel schlechthin sein.

"Meine Brüste sind hier unten!!!"
Woran das liegt? Nun, das hat zwei Gründe. Zum einen dürfte es kaum ein Machwerk geben, was so dilettantisch inszeniert wurde. Ob jetzt die obskuren Szenenwechsel (von Wüste zu Wiese und wieder zurück), einer wirklich haarsträubenden Ausstattung (die Pferdekutsche ohne Pferde, dafür aber mit Motorengeräusch), den Darstellern, bei denen ich mich schwertue, ihnen auch nur im Ansatz irgendwelche schauspielerische Fertigkeiten zu attestieren (erotische übrigens auch nicht) und einer Kameraführung, bei der es mich nicht wundert, dass als Kameramann ein „I.M. Blind“ in den Credits auftaucht, wirklich ALLES ist so grottig, dass man mehrmals das Gefühl bekommt, der Film ist aus diversen Schnittresten zusammengefügt, dass schon das ein Fest für jeden Trashfreund ist.

Aber was den Film groß macht, ist die wirklich unfassbar launige Synchro eines Berliner Studios – man kennt ja zum Teil das auch aus anderen Filmen und Serien, allen voran die Bud Spencer/Hill Filme sowie die Serie „Die Zwei“, wo durch eine neue Synchro quasi ein neues Werk entstanden ist, oft mit viel Humor, aber was DN macht, kann man schon beinahe als Sabotage des Synchronstudios sehen.

Beispiele gefällig? Nun, da wäre ein Erzähler am Anfang, der Einiges erklärt, wie dass bei heißen Szenen der Bildschirm schwarz wird und bei allzu derben Ausdrücken das Entsprechende mit einem Piepton überdeckt wird (wovon tatsächlich oft und meines Erachtens auch sehr sinnfrei Gebrauch gemacht wurde), dann natürlich die Dialoge, bei denen man nach 10 Minuten am Boden liegt und die tatsächlich auch den letzten Rest Erotik töten (mit was reibst du mich da ein? Salatöl? Nein, Rizinus!). Oder auch, dass man Dialoge komplett ignoriert und einfach eine Stimme aus dem off drübergelegt hat (selbstverständlich, ohne die englische Originalstimme auszublenden, wieso auch?) - ich kann mir jedenfalls sehr bildhaft die vielen Bahnhofskinobesucher vorstellen, die zu dem Streifen ein wenig die Handmaschine rattern lassen wollten, aber vermutlich mit einem „WTF???“ letzten Endes verzweifelt im Kino gehockt sind.

Ach, ne Story gabs auch, aber mal ehrlich, interessiert die denn tatsächlich? :D

Jedenfalls, alleine die Synchro hebt den Film auf eine neue Metaebene, schwer zu beschreiben, man muss das Ding echt anschauen, am besten in geselliger Runde, und IMHO war das ein perfekter Opener für den Abend – und erfreut sich nicht ohne Grund als einer der Klassiker schlechthin in der Trashfilmgemeinde.

Tl;dr: geile Scheiße


Andreas: Mit Django Nudo hat der Meister stark vorgelegt und in der Runde wurden besorgte Stimmen laut, ob man das noch toppen kann. Man kann. Und zwar mit...

Mad Foxes

Was die Begleitumstände zum Film angeht, möchte ich gern auf den Wortvogel verweisen, der sich erst vor wenigen Wochen mit dem Film beschäftigt hat. 



Interessant, oder eher naheliegend, dass wir ganz ähnliche Gedanken hatten. Die in der Öffentlichkeit verschwundenen Hakenkreuze, das Filmstudio am Ende, der schmierige Hauptdarsteller und die zusammengeschnittenen (und sinnlosen) Tanzszenen sind Dinge, die sich uns ebenfalls aufgedrängt haben.

"Eine emotionale Achterbahn"
Handlungstechnisch geht’s um Nazibiker, die einen Schmierlappen verfolgen, weil er angeblich einen der ihren getötet hat. Wie und wo und warum und überhaupt wird nicht weiter erörtert. Nach und nach werden alle in seiner Nähe getötet und vergewaltigt, oder umgekehrt. Meistens steckt Schmierlappen das relativ easy weg, nur als seine Mutter getötet wird, gibt’s Emotionen. Oder was die Macher und Schmierlappen davon halten. Die halten aber auch nicht wirklich lang an.

Was das Budget des Films angeht, ist wohl ein Großteil in den Stingray versenkt worden, mit dem Schmierlappen die meiste Zeit herumfährt. Der immerhin ist schön anzusehen und den einen oder anderen ganz soliden, aber unpassenden, Goreeffekt gibt’s auch.

Einen gewissen eingeschränkten Unterhaltungswert, grad zum Ende hin, kann man dem Film aber nicht absprechen. Den Weg dorthin bestreiten aber nur besonders abgebrühte Zuschauer.

Khalil: Der 2. Film, Mad Foxes – Feuer auf Rädern, eine spanischschweizerische Gemeinschaftsproduktion gilt als echte Granate unter Trashfilmfans, auch hier gilt wieder „man muss es gesehen haben, sonst glaubt man es nicht“.

"Lass baumeln Kumpel"
Und es ranken sich um die Entstehung auch diverse Legenden, wie beispielsweise, dass es sich bei dem Film lediglich um ein Abschreibeprojekt des Schweizer Kino- und Produktionsmoguls Erwin C. Dietrich (der übrigens auch Django Nudo für den europäischen Markt eingekauft und vertrieben hat), um Geld aus diversen Quellen sauber zu waschen – und wenn man sich anschaut, wie unfassbar das Machwerk inszeniert wurde, halte ich das tatsächlich auch für glaubhaft.

Der Streifen ist vordergründig ein Revengestreifen, wer da jetzt allerdings an wem genau Rache übt, da verliert der geneigte Zuschauer irgendwann auch den Überblick, zu krude ist da der Handlungsverlauf.

Im Haus der Nazi-Domina
Dafür hat der Film aber eine Corvette. Und die ist schon einmal schick anzuschauen, auch wenn der Besitzer und Hauptprotagonist den Preis für einen der unsympathischsten Hauptdarsteller ever erhält. Und Biker. Nazibiker auf Dirtbikes, die je nach Drehort mal Hakenkreuzbinden mit und ohne Hakenkreuz getragen haben. Dann hätten wir da noch: Schwänze, geschändete Jungfrauen, tödliche Karatekämpfer, Explosionen, nackte Nazibiker (und Schwänze), buschige Nazidominas, der bestialische Soundtrack von Krokus, krude Goreszenen, einen Eunuchen (Der Satz „Niemand soll wissen, dass ich ein Eunuch bin“ sollte eigentlich in das Buch „Die 100 besten Filmzitate“) und dazu noch einen so unfassbar haarsträubenden Schluss, dass das WTF über dem Kopf danach einen ganzen Raum einnehmen könnte.

Ein jedenfalls unfassbares Machwerk was in der Liga eines „Macho Man“ spielen dürfte, absoluter Anschaubefehl meinerseits, am Besten, mit reichlich Bier und in geselliger Runde – denn dann offenbart der Film sein ganzes Potential.



Tl; dr: noch geilere Scheisse

Weiter geht's mit Teil 2

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