Montag, 9. März 2015

Trashfilmabend of the Dead V5 (2015 Edition) - Teil 2

Andreas: Danach war es endlich Zeit. Endzeit. Schenkelklopfer.

Speziell zum Endzeitfilm der 80er hab ich ja irgendwie eine ganz besondere Beziehung. Das liegt wahrscheinlich an den Plakaten, mit denen in den 80er Jahren Videotheken bepflastert waren und die Filme anpriesen, die für mich altersbedingt unerreichbar waren. Häufig hab ich mir die Handlung in meiner Phantasie ausgemalt und war davon überzeugt, dass es sich bei den Filmen nur um Meisterwerke handeln kann.

Meisterwerk ist dann auch gleich ein schöner Übergang zu

Fireflash



Verunstaltete Autos = Endzeit
Hätte ich den Film als pubertierender 14 jähriger gesehen, hätte ich ihn sicher für einen guten Film gehalten. Vielleicht nicht unbedingt für ein Meisterwerk, aber doch nahe dran. Vielleicht einfach auch deshalb, weil die Klapperschlange für mich damals einfach nur eine Schlange und kein Sträfling und Ex-Elite-Soldat war. Und vielleicht, weil mir damals nicht aufgefallen wäre, dass die meisten Drehorte verfallene Industrieanlagen (die meiner bescheidenen Meinung zum Teil auch bereits in Endgame Verwendung fanden) und eine Brauerei, die die Basis der bösen Euraker darstellt, sind. Natürlich hätte ich auch nicht verstanden, dass die Schauspieler selten B-Klasse-Niveau erreichen und dass die Handlung quasi keinen Sinn ergibt.

Ach, könnte ich das doch alles meinem früheren Ich mitteilen. Immerhin weiß ich es jetzt.

Khalil: Mit Django Nudo und Mad Foxes hatte ich die beiden Höhepunkte schlechthin verbraten. Bei den bisherigen Filmabenden gab es Einige, die nach dem zweiten Film abgehauen sind, aber nicht so das Publikum an diesem Abend, das bewies mal echtes Sitzfleisch. Und auch wenn ich wusste, dass die beiden vorangegangen Streifen kaum zu toppen waren, es standen ja noch zwei Wunschgenres auf dem Zettel – allen voran der Wunsch des Trashfilmabend-Veteranen Andreas, der nach Endzeit verlangt hat – und Dank der italienischen Filmindustrie habe ich da nach wie vor ein weites Feld zum Auswählen. Obwohl, um das hier mal klarzumachen, auch aus anderen Ländern gibt es zum Himmel schreiende Machwerke, die sich als Thema „postapokalyptisches Szenario / Mad Max“ ausgesucht haben.

Aber keine sind meines Erachtens so liebenswert wie die Heuler aus Italien, die mit einer Dreistigkeit bei großen Filmen klauen, die seinesgleichen sucht (das türkische Kino zählt in diesem Fall nicht), auch ausnahmslos alle in denselben heruntergekommenen Industrieanlagen und Kiesgruben gedreht worden sind und oft dieselben Protagonisten vor die Kamera gezerrt werden, allen voran Georg Eastman aka Luigi Montefoiri, bekannt aus Endgame, Man-Eater, In der Gewalt der Zombies, The Riffs, Emanuela, Blastfighter, Er- Stärker als Feuer und Eisen, Metropolis 2000 und, und, und seine Schauspielkünste unter Beweis stellen durfte.

Und auch in „Fireflash – der Tag nach dem Ende“ hatte der Herr als „Big Ape“ einen gelungenen Auftritt, oder wie Geraldo passend festgestellt hat: „cooles Kostüm, einfach alles an Haare, welche man im Duschabfluss gefunden hat, ins Gesicht und auf die Hände geklebt“.

"Schau mal gelangweilt!"
Der Film ist zur Abwechslung mal kein Mad Max Rip-off, sondern bedient sich bei der von mir sehr verehrten „Die Klapperschlange“ und verfrachtet die Story einfach ins postapokalyptische NY, wunderschön mit Modellbau nachgebildet. Und statt der Präsidententochter aus der Hand der Knastis zu befreien, muss man jetzt die letzte fruchtbare Frau (ja, so Strahlung kann schon scheiße sein), aus dem Gebiet der Euraker befreien. Und selbstverständlich wurde ein passender Snake Plissken look a like auch gecastet, okay, schauspielern konnte er nicht, aber die fesche Frisur, die strahlend blauen Augen sowieso und der Dreitagebart sowie die passende Ledermontur musste halt reichen.

Übrigens, ganz den Traditionen des italienischen Ripoff Kinos hat man sich nicht nur bei Die Klapperschlange bedient, ob jetzt Blade Runner (Replikanten!!), Planet der Affen, natürlich Mad Max, von allem war ein bisschen was zu finden, selbst vor „The Riffs“ hat man nicht haltgemacht – statt coolem Trommler in der Bronx gibt es jetzt halt einen strahlenversuchten Trompeter vor der malerischen Kulisse des zerstörten NY. Grandios.

Selbst in der Endzeit entsprechen Asiaten allen Klischees
Generell, die verseuchten Menschen sind wunderbar anzuschauen mit ihren billigen Gesichtswunden, mein persönlicher Fav ist der Rattenkönig, Anführer einer Gang, die von Ratten leben – alleine schon wegen seines wunderbaren Monologs.

Zugegeben, gegen die beiden vorangegangen Filmen wirkte Fireflash schon beinahe wie eine echte Großproduktion, aber keine Bange, ob jetzt durch die total bescheuerte Story, den unsympathischen Helden, schauspielerisches Unvermögen, ein Setting, was sich gerne ab und an wiederholt, sowie natürlich die unfassbar beschissenen FX, Fireflash macht meines Erachtens dennoch große Laune, gerade für Freunde des Endzeitkinos.
Für Mutige der Film in voller Länge (77 Minuten)

Tl; dr: apokalyptische Scheisse

Andreas: Weil ich gerade erst von meinem früheren Ich erzählt habe - ein gutes Beispiel für den Filmgeschmack meines früheren Ichs folgt dann auch gleich mit
Howling II aka Das Tier II


Wahrscheinlich wurde mir der von meinem Onkel mitgegeben, der mich im Alter von 16 oder 17 langsam mit Filmen aus seiner Sammlung versorgt hatte. Der Film bietet kurz gesagt Werwölfe, Brüste, Blut, Brüste und Brüste. Was will man als Heranwachsender mehr?

Handlung und gute Schauspieler vielleicht, aber hey: Brüste!

Angezogen ein seltener Anblick
Wobei man dazusagen muss, dass hier immerhin ein Christopher Lee verpflichtet wurde, der sich so halb anständig durch den Film manövriert, und den Rest der Crew gleich noch schlechter ausschauen lässt, als sie ohnehin schon sind. Trotzdem fühlte er sich einige Jahre später verpflichtet, sich bei Joe Dante, dem Macher des guten ersten Teils, für seine Mitwirkung an dem Film zu entschuldigen. Zu Recht, denn was hier billig in Tschechien und mit einem Minimum an Kulissen runtergedreht wurde, bietet im Prinzip außer Brüsten (hey...) halt nicht wirklich viel und das wenige, dass er bietet, wird dann auch gleich bis zum Exzess ausgewalzt. Zum Beispiel die Brüste (hey...), der an sich gute Titeltrack, oder die Verwandlungssequenz.

Zum Schluss blieb eigentlich nur die Frage offen, wer schärfer ist. Sybil Danning oder Marsha Hunt. Ich halt's da eher mit Mick Jagger und votiere für letztere.

Khalil: Nach dem dritten Film gabs dann die ersten Aufbrüche, aber eine kleine Schar von hartgesottenen Trashgourmets blieb dennoch noch sitzen, um den vierten Film anzuschauen – ein Novum, bisher waren die meisten Leute nach 3 Filmen dann weg. Zeit, um den nächsten Genrewunsch zu erfüllen. Horror. Dazu generell – einen der besten Trashhorrorfilme habe ich bereits an meinem ersten Abend abgefeuert und persönlich liebe ich ja den Horrorfilm an sich, tue mich aber tatsächlich schwer damit, einen Film zu finden, der dem Label „Trash und Unterhaltsam“ gerecht wird, keine Ahnung, woran das liegt, vielleicht daran, dass ich bewusst nicht zu bestimmten Klassikern wie „Bride of the Monster“ oder irgendwelchen Tierhorror greifen wollte, auch wenn es „Night of the Lepus“ beinahe geschafft hätte.

Aber ich denke mal, dass meine Wahl mit „The Howling 2“ auch in Ordnung ging, wir reden hier immerhin von einem Film, der von nicht wenigen Kritikern als „schlechteste und überflüssige Fortsetzung aller Zeiten“ bezeichnet wurde und selbst Chrisopher Lee ist sein Mitwirken daran bis heute peinlich – und das will was bei einem Mann heißen, der Heuler wie „Dracula jagt Minimädchen“ , „Horror Express“ und „Tunnel der lebenden Leichen“ und noch viele andere B-Filme in seiner langen Karriere abgedreht hat.

Ja, wirklich voll cool. 
Außerdem, wann hat man Lee schon einmal in so cooler Montur gesehen?

Und dann wäre da natürlich noch die B-Queen Sybill Danning, die weniger durch ihre Schauspielkünste, sondern mehr mit ihren beiden großen Argumenten eine beachtliche Karriere im B-Z Filmgenre hingelegt.

So gesehen hat der Film mit zwei bekannten Schauspielern, einem recht gefälligen Titelsong, sowie einem sehr gelungenen Vorgänger Einiges auf der Habenseite, dennoch legt er gekonnt eine Bruchlandung hin. Woran das liegt? Nun, da gäbe es einige Gründe.

Da wäre zunächst einmal die komplett haarsträubende Story, der man selbst nüchtern irgendwann nicht mehr folgen kann, dazu hat man zwar einige nette FX, aber die meisten Szenen wurden in derselben Straße gedreht und das Schloss der bösen Werewolf Bitch ist offensichtlich nur aufgemalt, und das Wenige, was der Film tatsächlich gut macht, wird so oft wiederholt, dass man von der sprichwörtlichen Kuh sprechen kann, die irgendwann Blut statt Milch gibt. Ob das jetzt der Titelsong ist, der wirklich zu jeder Gelegenheit gespielt wird, sowie Sybil Dannings Brüste. Die eine Szene, in der Danning blank zieht, wird sage und schreibe 17x wiederholt, 10x davon alleine im Abspann...wo welcher Song läuft, na, ahnt ihr es? :)

Nichts für Rasurliebhaber
Dennoch, Dank des Filmes weiß man nun, wie Werwölfe Liebe machen, dass Sybil Danning im Lederoutfit immer lecker ausschaut, Werwölfe generell gerne Leder tragen und auch mal gerne ein paar Orgien feiern - und dass man für die ganz bösen Werwölfe, die teils auch zaubern können, Titan statt Silber braucht – wieder was gelernt.

Tl;dr: Haarige Scheisse


Andreas: War in den ersten drei Filmen noch ordentlich Mitwirkung seitens der anwesenden Zuschauer spürbar, ließ die Interaktion bereits mit Howling II ordentlich nach, nachdem einige das Ende von Fireflash als Aufbruchssignal verstanden und die Runde ausdünnten.

Noch stiller wurd's mit

Supersonic Man


Den hatte ich dann quasi für mich allein. Zumindest solang bis ein selig vor sich hin schnarchender Khalil das Programm kurzfristig für beendet erklärte. Aber gut, versäumt hab ich da eh nicht viel.

Ein spanisch/italienischer Superheldenfilm mit miesen Effekten (der Modellhubschrauber!!!) , lächerlichen Kostümen und strunzdummen Dialogen ist zwar an sich jetzt nicht verkehrt, aber die späte Stunde nagte auch bereits an meiner Konstitution.

Höhepunkt des Films war aber ganz klar der Roboter, der sich in Zeitlupe fortbewegte, es aber trotzdem schaffte, innerhalb von Sekunden von einer Position zur nächsten zu springen. Oder fliegen. Oder beamen. So oder so: Hightech in Vollendung. Wer das sehen will - den Film gibt's ebenfalls komplett online zu sehen

Khalil: Schon während des letzten Films wurde es verdächtig ruhig in ein paar Ecken, was evtl. an diversen Jägermeistern gelegen haben könnte.

Jedenfalls brachen dann die letzten Gäste, außer meinen beiden Schlafgästen, langsam Richtung Heimat auf, und damit war der 5. Münchner Trashfilm Abend beendet – beinahe. Denn nahezu unter Ausschluss der anwesenden Personen, abgesehen von Andreas aka “the Last Man Standing“, der wohl sein persönliches Waterloo gut machen wollte und Supersonic Man noch so lange verfolgt hat, bis ich wohl in meinem Halbschlaf beschlossen habe, dass es jetzt reicht. ;D

Zu „Supersonic Man“ gäbe es Einiges zu sagen, vor allem, dass der es absolut verdient hätte, dass er zu einem früheren Zeitpunkt gelaufen wäre – deshalb spare ich mir tatsächlich hier meinen Senf und hebe ihn für den nächsten Trashfilmabend auf, wo der Streifen es vielleicht unter die Top 3 schaffen wird.

Nächster? Ja, denn der kommt sicher, nach wie vor, es ist ein Riesenspaß sowie ein großes Vergnügen für mich, Bekannte zu so einem Abend zu mir nach Hause einzuladen und für sie ein kleines, aber hoffentlich feines und unterhaltsames Filmprogramm zusammenzustellen.



Andreas: tl;dr: Schee war's beim Khalil. 

Zu Teil 1 geht's hier lang. 

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