Dienstag, 19. Mai 2015

B-Film Basterds Nürnberg 2015 - Teil 2

Andreas: Tag zwei beginnt mit einer handfesten Überraschung. Der Geist Ed Woods schlägt erbarmungslos zu, und verhindert eine Aufführung von

The Sinister Urge


Ratlosigkeit beim Doc
mit einer laut Cover Regionfree DVD, die sich dann anschließend auf lokalen Endgeräten nicht wiedergeben lässt. Die Zuschauer nehmen’s mit Humor, dem Veranstalter ist es sichtlich etwas peinlich und die Zwischenrufe zwecks Erstattung des Eintritts sind zum Glück nicht ganz ernst gemeint. Auch der zweite Take in Form einer eilig herbei geschafften PS3 schafft keine Abhilfe, weil die zwar US-Spiele, aber keine US-DVDs abspielt. Um den Ablauf nicht weiter zu gefährden, wird der Film kurzerhand ans Ende des Programms geschoben, wo die Wiedergabe im dritten Take dann doch noch erfolgreich war. Wenn auch weitestgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Auf Youtube kann man den Film in der launigen MST3K-Version nachholen: 


Aber gut, das war jetzt kein Beinbruch. 

Jaka der Rebell


ist nämlich auch ein guter Einstieg für den Samstag. Ein ganz hervorragender sogar. 

Der Holländer
Ganz grob geht es in dem Film um den islamistischen Terroristen Jaka, der sich gegen die europäische Schutzmacht in Indonesien auflehnt, und schließlich einen Bürgerkrieg vom Zaun bricht. Ok, im Film spricht man natürlich nicht von Terrorismus und die holländische Schutzmacht wird auch eher als fieser Unterdrücker präsentiert. Alles eine Frage der Perspektive.




Jaka - Der Planlose

Der indonesische Film war in seiner Heimat wohl ein großer Erfolg, so dass noch diverse Nachfolger produziert wurden, die es zumindest nicht nach Deutschland geschafft haben. Schade eigentlich, weil bereits der erste Teil Unterhaltung auf hohem Niveau präsentiert.

Neben spektakulären Kampfszenen dürfen wir uns auch an Kämpfern mit übernatürlichen Fähigkeiten ergötzen, die je nach Szene mehr oder weniger mächtig sind. Da ist zum Beispiel der erste ernst zu nehmende Gegner Jakas, der zwar Kugelbeschuss stand hält, vor einem Bambusstab dann aber kapituliert, was überaus blutig in Szene gesetzt wird.

Jaka - Der Blinde
Überhaupt geizt man nicht mit blutigen Spezialeffekten, die ihren Höhepunkt in der Szene finden, in der der Held mit einem Bajonett geblendet wird. Buargh.

Natürlich geht es auch hier nicht ganz ohne Budget bedingte Kompromisse. So werden zum Beispiel die meisten Europäer von Personen mit mehr oder weniger deutlichen asiatischen Gesichtszügen verkörpert, die Goreeffekte verfehlen das eine oder andere Mal ihre Wirkung und die deutsche Synchro ist nicht sooo toll. Aber für letzteres können die Macher freilich nichts.

Jaka - Das Hausschwein
Etwas eigentümlich erscheint der Film aufgrund des eingangs geschilderten Szenarios. Natürlich ist Jaka kein Terrorist, sondern der tapfere Rebell, der mit Allahs Hilfe die holländischen Besatzer vertreibt. So wird häufiger sein Glaube referenziert, mit dem gemeinsamen Gebet vor der Schlacht macht man sich Mut und sein Glaube verleiht ihm die überirdische Macht, den übernatürlichen von den Toten zurückgekehrten Kämpfer zu besiegen, der für seine Verwandlung in ein Schwein verantwortlich war (fragt nicht).  So oder so ist das ein schönes Beispiel dafür, dass alles relativ ist, auch unsere Sicht der politischen Ereignisse. Vermutlich würde man heute diesen Film international auch anders vermarkten, als dies Anfang der 80er Jahre noch möglich war. Aber ich will da jetzt auch nicht zu viel hinein interpretieren. Solang es gegen Holländer geht, ist es doch klar, wer der Gute und wer der Böse ist.

Jaka - Die Augen-OP
Xander: Jaka – Der Rebell ist einer dieser großen, unbekannten Filme, die mit einer epischen Geschichte, unglaublichen Splattereinlagen und einer großen Portion Melodram aufwarten. Unschuldiges Kino, das in Blut watet und keine Hemmungen hat, den Held weinend und Körper zerteilend zu zeigen.

Ein bisschen wie Bollywood ohne das Singen. Zwischendurch werden dem Helden die Augen ausgestochen, was in Fulci-Manier im Großformat realisiert ist, dann wird er wie in einem DEFA-Film in ein Schwein verwandelt, um wie im Märchen von der hübschen Prinzessin gerettet zu werden.

Der Film ist herrlich naiv und zugleich rührend bemüht, eine bewegende Geschichte zu erzählen. Vielleicht mal was für das Weihnachtsprogramm bei Al-Dschasira.

Die Lehrfilme sind ein guter Gag. Allerdings begeistern am ehesten die Ausstattung und die „Kostüme“. Inhaltlich und schauspielerisch erinnert das alles zu sehr an die berüchtigten Kinderläden der siebziger Jahre. Rüdiger Hoffmann hat diesen pseudopsychologischen Sprachduktus schon ausgiebig parodiert, sodass das Original fast wie eine Farce wirkt. Kann man gucken, war für mich aber zu Deutsch in der Ausführung. Nett, aber zahnlos und ein bisschen hatte ich das Gefühl, da haben sich ein paar Industriefilmer an öffentlichen Geldern gesund gestoßen. Das nächste Mal wünsche ich mir exotische Urlaubsfilme aus den Siebzigern.

Andreas: Die Kurzfilme entstammten allesamt dem Lehrfilm-Genre und blieben zumindest bei mir etwas hinter den Erwartungen zurück. Natürlich sind das vom Zeitgeist geschwängerte Filmdokumente, die gerade immer dann anachronistisch wirken, wenn das damals gängige Familienbild thematisiert  wird, aber sonst nicht groß durch Peinlichkeiten auffallen. Trotzdem ein interessanter Blick rund 40 Jahre in die Vergangenheit. Schätz ich jetzt mal.
Vergangenheit ist ein schönes Stichwort (und der Satz ein ganz mieser Übergang, aber ich bin mir für nichts zu schade): Die Hammer Studios waren auch Vergangenheit, bzw. haben Anfang der 70er Jahre den Anschluss verpasst. Dracula, Frankenstein, gotischer Überbau und gestelzte Dialoge wollte kein Mensch mehr sehen, mit Texas Chainsaw Massacre wurde eine neue Art des Horrors etabliert, dem die Hammer Studios nicht folgen konnten oder wollten. Um trotzdem irgendwie dem Zeitgeist zu entsprechen, wurde eine Kooperation mit den Shaw Brothers eingegangen, die gerade dabei waren, das Genre des Kampfsportfilms umzukrempeln. Trivia am Rande: die Shaw Brothers haben auch einst mit Ernst Hofbauer kooperiert, woraus der wunderbare Titel Karate, Küsse, Blonde Katzen entstanden ist, zu dem ich hier schon mal etwas geschrieben habe.

Aber zurück zu den Hammer Studios. Aus dieser Kooperation sollte

Die Sieben Goldenen Vampire


Großmoff, äh, Vampirjäger van Helsing
entstehen, der Dracula, chinesische Vampire und Kampfkunstaction mischt. Die Hammer Studios schicken unter anderem den Horrorfilm-Veteran Peter Cushing ins Rennen, der hier seine Rolle als Dr. van Helsing wieder aufnimmt, die er bereits 1958 in Dracula ausüben durfte. Für mich bleibt er trotzdem auf immer und ewig mit der Rolle des Großmoff Tarkin verbunden, aber sei’s drum.

Nun, auch wenn sich der Film an der Figur des Draculas und van Helsing bedient, geht er doch komplett eigene Wege. So wird die Handlung nach dem kurzen Einstieg auch gleich ins China des 19. Jahrhunderts verlegt, wo van Helsing Vorträge an einer Universität über Vampirismus hält. Die dortigen Studenten zweifeln an seinen Worten, und verlassen unter Gelächter den Saal. Nur einer bleibt zurück, der sich als Bewohner eins Orts entpuppt, der von den Vampiren terrorisiert wird.

Er überredet Van Helsing, ihm mit seinem Sohn und einer Gönnerin, die die Reise finanziert, zu folgen, und verspricht ihm im Gegenzug Schutz vor missliebigen Chinesen, die der Sohn bei einem Abendessen vergrault hat. Den Schutz übernimmt er zusammen mit seinen Brüdern und einer Schwester, die allesamt in der Kunst des Nahkampfs und jeweils einer eigenen Waffe geschult sind.

Der gelbe Teufel!
Schon bald kommt es zum ersten Zusammentreffen mit den Söldnern des Chinesen, was klar zu Gunsten der Reisegruppe geht. Das nächste Zusammentreffen erfolgt dann mit einem Kommando der Vampire, aus der die Gruppe zwar als Sieger, aber geschwächt hervorgeht. Langsam kommen sich auch die Protagonisten näher. Im Sinne der Vereinigung von Ost und West, liebäugelt van Helsings Sohn mit der Schwester der chinesischen Großfamilie, während der Bruder sich an die blonde Gönnerin heranmacht. Die restlichen Brüder bleiben mehr oder weniger Komparsen, die nur hin und wieder ihre Kampfskills demonstrieren dürfen.

Der weiße Teufel!
Als man schließlich die bereits stark dezimierte Stadt erreicht, werden sofort Verteidigungsanlagen errichtet und der finale Angriff der Vampire erwartet. Nach einer verlustreichen Schlacht dringen die letzten Überlebenden in den Unterschlupf der Monster vor, wo sich dann van Helsing die Wurzel allen Übels entblößt (was nur halb so schweinisch gemeint ist, wie es vielleicht klingt): Dracula.

Ach, ich mach’s ab jetzt kurz: für mich hat dieser Stilcrossover nur bedingt funktioniert. Wo bei Karate, Küsse, Blonde Katzen ein unterhaltsamer Film bei rumgekommen ist, ist Sieben Goldene Vampire weder so richtig Fisch noch Fleisch. Zwischen all den herumwirbelnden und Karate (oder was auch immer) kämpfenden Chinesen wirken Peter Cushing und sein Filmsohn wie Relikte einer vergangen Zeit. Steif und unbeweglich bewegen sie sich durch die Kämpfe, in denen sie wie durch ein Wunder stets verschont bleiben. Jetzt ist es natürlich schon so, dass ein Peter Cushing allein durch seine Anwesenheit Flair versprüht (Großmoff Tarkin!!!), was hier aber in gewisser Weise verpufft.

Die Handkantenaction ist solide produziert, die Kämpfe sind variantenreich und entsprechen so ziemlich dem Stand ihrer Zeit, würd ich jetzt mal behaupten.

Die Vampire dagegen lassen irgendwie sämtliche Bedrohlichkeit vermissen; das könnte auch eine Banditenbande sein. Nur einmal hat es direkte Konsequenzen, dass die Gruppe eben von Vampiren und nicht gemeinen Wald- und Wiesenbanditen angegriffen wird, was dann auch für etwas Dramatik sorgt und die unbedingte Opferungsbereitschaft der Gruppe demonstriert.
Trotzdem war ich am Ende von dem Film doch eher etwas enttäuscht. Irgendwie hatte ich mir von der Kooperation mehr versprochen.

Aber das Highlight des Tages stand ja noch aus.

Der Hort des Bösen!
Xander: Das erste Majormovie des Festivals war dann Die sieben goldenen Vampire. Zu diesem Film muss man sagen, dass er lange einen hervorragenden Ruf genoss und unter Horrorfans immer wieder empfohlen wurde. Mitte der Achtziger erzählten mir noch die großen Nachbarjungs ehrfürchtig von den „goldenen Vampiren“, die sie gleich gucken würden. Die Hammerproduktion gibt sich Mühe, auf den Zeitgeist aufzuspringen, allerdings wurde in der Ankündigung richtig erklärt, dass Texas Chainsaw Massacre solche Filme einfach alt aussehen lassen musste. Am ehesten erschließt er sich wohl im Kontext der anderen Dracula-Filme. Leider funktioniert die Action anstelle des Horrors nicht so wirklich. Wurde mit dem Film nie wirklich warm und auch jetzt gelang es mir nicht. Aber das Wiedersehen mit Peter Cushing macht Spaß!

Auch den Film gibt's komplett auf Youtube (Englisch): 



Der Kampfgigant


Der Kampfgigant!
Andreas: Speziell Xander war schon ganz hibbelig, zählt der Film doch zu seinen Alltime-Faves. Und allein die Aussicht auf einen italienischen Rambo-Ripp off hat auch mir ein feuchtes Höschen spendiert. Dazu noch der sehr vielversprechende Titel. Der Film hatte mit einer großen Erwartungshaltung zu kämpfen.

Im Original heißt der Film übrigens „Double Target“, und drückt damit die Handlung des Films nicht halb so gut aus, wie der deutsche Titel. Weil um recht viel mehr, als um den Kampfgiganten geht’s in dem Film nicht. Der Rest der Handlung ist nur ein Alibi für Explosionen, Feuergefechte, Explosionen, billige Dialoge und noch mehr Explosionen. So gesehen wär nur noch der Titel „Der Explosionsgigant“ passender.

Aber wie gesagt, sowas wie eine Handlung gibt es auch.

Der Kampfgigant!
Mehrere US-Stützpunkte und –Niederlassungen werden Opfer von Terrorangriffen. Die USA ist machtlos und weiß, dass nur einer helfen kann: Bob Ross, verkörpert vom göttlichen Miles O’Keeffe.

Bob ist Vietnamveteran und hat, wie es ein guter Vietnamveteran halt so macht, eine Vietnamesin geschwängert. Zehn Jahre nach dem Krieg will er seinen Sohn endlich mal sehen und spricht im vietnamesischen Konsulat vor. Dort eröffnet man ihm, dass seine Frau im Umerziehungslager verstorben ist und er seinen Sohn nicht sehen darf. Weil halt. Das findet er gar nicht so toll, weshalb der anwesende KGB-Agent sicher ist, dass er einen US-Spion vor sich hat. Das naheliegendste in so einem Fall ist natürlich, den US-Spion vor Ort in einem unabhängigen Land festzusetzen und zu verhören. Das wiederum findet der Kampfgigant nicht so witzig und flüchtet aus dem Konsulat, verfolgt von einer Horde Vietnamesen, die kein Problem damit haben, in einem autonomen Staat offen mit automatischen Gewehren rumzulaufen. Wahrscheinlich will uns der Film damit sagen, dass alle asiatischen Länder Feinde der Freiheit sind, und die deswegen sowas tolerieren. Wahrscheinlich.

Bumm!
Rumms!
Nun, kurz bevor er sich selbst rettet, wird er von einem Hubschrauber des CIA (oder irgendeinem anderen amerikanischen Nachrichtendienst) gerettet und in das Land der Freiheit zurück gebracht. Dort offeriert man ihm einen Deal: Die Terroristen haben ein Trainingscamp in Vietnam. Wenn er dorthin vordringt und die Pläne der Terroristen durchkreuzt, darf er auf dem Rückweg seinen Sohn mitnehmen. Die Sache hat allerdings den Haken, dass der dafür zuständige US-Senator gleich von Anfang kategorisch ausschließt, Bob wieder in die Heimat zurück zu holen. Ist aber egal, die Aussicht seinen Sohn zu sehen, ist Motivation genug. Mit Hilfe einer Ausrüstung, die behauptet Millionen Dollar wert ist, wird er ins Feindesland geschickt.

Bumms!
Der erste Kontakt mit seinem Sohn verläuft unterkühlt. Trotzdem macht er sich auf die Suche nach dem Terrorcamp. Unterwegs treffen sie auf einen LKW mit sowjetischen Soldaten, was sogleich mit einem „Terroristen!“ quittiert wird. Daher weht also der Wind. Die fiesen Sowjets stecken also hinter den Terroranschlägen. Naja, Mitte der 80er – wer sonst? Nun, der LKW wird gekapert, die Uniformen gewechselt und schon erhält man freien Zugang zum Lager der Terrorussen (jaja, doofes Wortspiel). Schnell findet man, was man sucht und mit Hilfe eines kleinen Fotoapparats werden die Beweise abgelichtet. Dummerweise sind die Jungs im Lager mittlerweile dahinter gekommen, dass die zwei vielleicht doch keine Terrorussen sind und so erwartet sie bereits ein Empfangskomitee vor dem Gebäude. Wie gut, dass ein Motorrad mit Beiwagen bereit steht. Zusammen mit einem MG werden sie zu einem unüberwindbaren Gegner für die Besatzung des Lagers, so dass sie sich ungehindert den Weg freischießen und schließlich durch ein offenes Nebentor in einem Gewässer untertauchen können. Und das mein ich sprichwörtlich. Die Verfolger, die offensichtlich nicht schwimmen können, brechen dann auch folgerichtig die Verfolgung ab.

Rumms Bumms!
Was dann folgt, ist eigentlich nur eine Reihe von Verfolgungsjagden, Schießereien und Explosionen, in der man neue Verbündete findet und auch ganz schnell wieder verliert.
Das Hauptproblem für die Akteure ist, dass der US-Senator seine Drohung wahr macht und Bob den Rücktransport verweigert. Auch vor dem Hintergrund, dass die USA die Beweise eigentlich gar nicht will. Weil man den Sowjets nicht an den Karren fahren will. Bob hat man aber trotzdem losgeschickt. Weil halt. Aber weil Bob der Kampfgigant ist, hält ihn das natürlich nicht auf. Und so schafft er es am Ende einen Helikopter zu kapern, mit dem er seinen Sohn und eine weitere Überlebende in die Staaten zurückfliegt.

Der Kampfgigant!
 Naja, was soll ich sagen? Gebäude explodieren im Sekundentakt, die Panzerfaust des Helden spuckt die Sprenggranaten schneller aus, als ein Maschinengewehr und wenn er das Ding mal liegen lassen muss, bleibt ihm immer noch der Granatwerfer unter seinem M16, das mit einer ähnlichen Frequenz explosiven Tod und Verderben über seine Feinde bringt.


Kann so ein Film schlecht sein? Eben. Deswegen ganz klar mein Film des diesjährigen Festivals und mit Platz 4 im Gesamtranking auch hoch angesehen in der Gunst der restlichen Zuschauer.

Der Kampfgigant!
Xander: Das absolute Highlight war dann der Kampfgigant. Diesen Film kenne ich gut, denn ich erstand vor 15 Jahren eine Videotheken-VHS mit hervorragendem Bild. Er ist ein verfilmter Vietnamcomic: Explosionen, Verfolgungsjagden, markige Sprüche und die allgegenwärtige grüne Hölle machen ihn zu einem Highlight des Achtziger-Jahre Trashkinos. Das kann man ohne Ironie sagen. Der Kampfgigant ist nie langweilig, sondern immer wieder überraschend unterhaltsam und mit genügend Explosionen vollgestopft, um noch drei weitere Vietnamfilme zu drehen. Das Publikum verstand den Film auch genauso und die Begeisterung war überall zu hören. So muss das Festival sein!


Andreas: Da passt es ja ganz gut, dass der offiziell letzte Film des Tages,

Libido Mania  


dem Kampfgiganten den Sieg nicht mehr streitig machen konnte. Vom Publikum zum schlechtesten Film des Festivals gewählt, kann ich das Urteil leider nur unterschreiben.
Prinzipiell ist es das Anliegen des Films, mit einem pseudo-wissenschaftlichen Überbau über sexuelle Perversionen zu informieren. Da der Film von Bruno Mattei stammt, dürfte klar sein, dass es sicher nicht Sinn war, eine ernst gemeinte Dokumentation zum Thema abzuliefern. Viel mehr ist es der Aufhänger, um schockierende Bilder rund um Tabuthemen zu präsentieren, die mittlerweile größtenteils vom Angebot eines durchschnittlichen XXX-Portals überboten werden.

Einzig Zoophilie, Fäkalsex und Nekrophilie haben in Mainstreamportalen noch nicht so Einzug gehalten, wobei speziell Fäkalien seit 2 Girls 1 Cup ja auch in aller Munde (HA!) sind. Zu dem Thema kann ich auch die Filmreihe „Friss Scheiße du Sau“ empfehlen, was dem Wort „Fäkalhumor“ eine ganz neue Bedeutung verleiht. Aber genug der Kalauer.

Rechtzeitig zum Ende aufgewacht!
Leider ist der Film eine strunzlangweilige Angelegenheit. Gut, der Nekrophilie-Teil war wirklich eklig, und der abgeschnittene Penis, wenn auch klar als Fake erkennbar, ging etwas in die Leisten, aber sonst gibt’s halt wirklich nix zu sehen, was man nicht auch mit einer Minute Google-Suche im Web finden würde. Der Rest wird mit Leuten in weißen Kitteln gefüllt, die was Kluges Dokumentarisches erzählen dürfen, um dem ganzen vor irgendwelchen Zensurbehörden eine Daseinsberechtigung zu erteilen. Dazu kommen die langatmigen Softsex-Aufnahmen, die den geneigten Pornokonsumenten von heute auch eher langweilen. Sollte der Film darüber hinaus eine Daseinsberechtigung haben, dann muss ich den Teil leider verschlafen haben. So wie ein anderer Teil des Publikums, der ebenfalls der Kombination aus abgestandener Luft und Langeweile zum Opfer fiel.

Weil wir dann auch schön Bettschwere hatten, fiel der letzte Film des Abends, die nachgeholte Vorstellung von The Sinister Urge für uns dann auch aus.  Fünf Tapfere haben der Legende nach durchgehalten.

Sonntagmittag ging’s dann auch schon wieder zurück in die Heimat, weshalb ich über die Sonntag gezeigten Filme leider nichts mehr erzählen kann.

Xander: Viel versprochen hatte ich mir von Libido Mania. Habe ich doch einen geheimen Platz in meinem Herzen für obskure Filme. Leider bot der Film nicht authentische Aufnahmen aus den Siebzigern, sondern nur schmuddeligen Studiotrash inklusive Fäkalien, Genitalien und Särgen. Nun ja, immerhin hatte ich eine Erkenntnis: Das, was man 1979 in dem Film sah, hat heute auch eine sehr erfolgreiche Entsprechung und zeigt, dass das geschmacklose, leicht schwachsinnige Unterhaltung immer ein Publikum findet.

Libido Mania heißt heute MyDirtyHobby.Com. Bin gespannt, ob man sich diese Clips auch in dreißig Jahren ansieht …

Fazit: Das Festival wird immer besser. Die Auswahl ist zu achtzig Prozent gelungen. Es wird sicher weiterwachsen. Ändern würde ich den Samstagabendkracher um ca. 23 Uhr. Da sollte ein Film vom Kaliber „Der Kampfgigant“ her. Dann steht einem wahren Fest nichts mehr im Wege!

Andreas: Als Fazit bleibt mir die Feststellung, dass es auch dieses Jahr wieder ein Mordsspaß war, auch wenn gefühlt etwas zurückhaltender kommentiert wurde. Da hat wohl Christian Kesslers Appell noch Nachwirkungen gezeigt. Ich zumindest freue mich schon auf nächstes Jahr und kann’s kaum erwarten, welche Schätze uns da erwarten.

Die Veranstalter blicken ebenfalls erfreut auf die Veranstaltung zurück und können mit rund 600 Besuchern über alle Vorführungen hinweg einen Besucherrekord vermelden.

Markus „DocAcula“ Nowak hat mir dankenswerterweise noch ein paar Zeilen geschrieben, die ich hier mit seiner freundlichen Genehmigung als Schlusswort einfügen möchte:

„Hauptsächlich freuen wir uns natürlich,  dass alles letztendlich einigermaßen glatt abgelaufen ist. Die kleine Katastrophe mit "The Sinister Urge" mal ausgenommen, die hat natürlich etwas unnötigen Stress verursacht. Zum Glück hatten wir aber keine Probleme mit den 35-mm-Kopien, was immer ein kleines Risiko ist, weil man halt auch nicht immer weiß, wie gut die in Schuss sind. Das hat aber diesmal wirklich gut funktioniert.

Ansonsten natürlich der Christian-Keßler-Auftritt - das war, abgesehen vom Besuch der Buio-Omega-Leute vor zwei Jahren, was aber natürlich was anderes war - unser erster richtiger "Livegast". Ich wusste vorher nicht, wie das im Rahmen des Festivals ankommen würde, aber sein Vortrag war super besucht und machte, glaub ich, auch allen wirklich viel Spaß. Was mich natürlich wieder ein wenig anreizt, zukünftig ab und an mal ein solches Experiment zu wagen. :)

Und maßgeblich letztendlich der Publikumszuspruch - der zeigt mir, dass das offene Konzept, also eben nicht spezifisch ein Genre-Festival zu machen oder sich auf bestimmte Epochen oder Herkunftsländer zu konzentrieren, wie es der Hofbauer-Kongress und Terza Visione machen, seinen Platz hat und seine Fans findet.“

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