Montag, 18. Mai 2015

B-Film Basterds Nürnberg 2015 - Teil 1


Der Kampfgigant, Die Riffs III und Christian Keßler. Zwei Filme, ein Filmjournalist und Trailershows. Ein Wochenende, 14 Filme und ein Vortrag. Zwei Zombiebuchautoren, Bier und gute Laune. Damit wär eigentlich schon alles gesagt. Die Zusammenfassung am Anfang für Lesefaule. Alle anderen können weiterlesen.

Bauch rein, Brust raus. 

Für diesen Eintrag konnte ich Xander Morus als Gastschreiber gewinnen, mit dem ich mich dieses Jahr zum dritten Mal in Folge durch ein buntes Filmprogramm gekämpft habe. Die verwendeten Bilder haben Xander und ich geschossen. Im ersten Moment mag es zwar ungewöhnlich sein, abfotografierte Bilder zu verwenden, aber ich fand's passend zur Thematik. :)



Gutes fränkisches Bier!
Andreas: Nürnberg ist eine schöne Stadt, die Franken sind besser als ihr Ruf und das fränkische Bier ist sowieso über alle Zweifel erhaben. Wer das nicht glaubt, kann sich davon unter anderem auf dem B-Film Basterds überzeugen. Jedes Jahr findet sich eine bunte, bzw. eher schwarz gewandete, Truppe zusammen, um in geselliger Runde etwas andere Filme abzufeiern, denen meist der große Erfolg verwehrt blieb. Der dafür häufigste Grund dürfte im Budget der Filme zu suchen sein, und die damit einhergehenden Kompromisse, die man in der Besetzung, den Effekten und dem Drehbuch machen musste. Dass dabei aber trotzdem Kleinode entstehen können, deren Unterhaltungswert nicht zwingend den beabsichtigten Gründen entspringt, wurde auch dieses Jahr aufs Neue bewiesen. Und ja, ich spreche von Trash. Auch wenn sich Christian Kessler gegen diesen Begriff ausspricht. Aber darauf möchte ich später noch eingehen.

Xander: Das letztjährige Festival verlor sich etwas in der Unentschlossenheit neue Filme mit alten zu kombinieren. Dadurch wurden neuer Trash (nichts Seltenes) und alte Kuriosität gemischt. Eine eher anstrengende Kombination, die mir mit Manos den Rest gab.

Im neuen Jahr sollte es nun etwas gehaltvoller zugehen. Ein Special Guest und einige vergessene Kracher versprachen viel. Vor allem der wilde Bruno Mattei sollte diesmal für Faszination sorgen. So auch mit dem vergessenen Dokumentarfilm Libido Mania. Ob das funktioniert hat oder nach hinten losging, wird sich zeigen.

Andreas: Wie schon letztes Jahr beginnt der Filmmarathon für mich am Freitag, wodurch mir eins der Highlights am Donnerstag entgeht, nämlich Legion der Vampire. Von den Zuschauern immerhin zum Film des Wochenendes gewählt und mit dem Golden Ninja Award 2015 ausgezeichnet. Auch der zweite Film in der Gunst des Publikums, Hausu, musste leider ohne mich stattfinden, und der Drittplatzierte Frauenlager der Ninja lief am Sonntag und damit auch ohne mich. Somit kann ich über die drei Highlights schon mal nichts schreiben und plädiere für nächstes Jahr auf eine Verlegung der Highlights auf Freitag/Samstag Abend. Danke.

Stattdessen beginne ich mit

Orion 3000 – Raumfahrt des Grauens


Der Film ist Teil einer Reihe von italienischen Science Fiction-Filmen, die, soweit ich das verstanden habe, lose miteinander verbunden sind, allerdings nicht die Kenntnis der Reihe voraussetzen.

Überrascht hat mich zu Beginn die relativ aufwändig kreierte Modellstadt, die eine angenehm futuristische (Modellbau-) Stimmung verbreitet und mit viel Bewegung ausgestattet wurde. Zwischen den Gebäuden fahren Züge, Helikopter starten und Ufos kreisen an fast unsichtbaren Fäden über den Häusern. Eigentlich unglaublich, dass diese Kulisse dann nur für das Intro des Films benutzt wird. Und auch schade, weil die Detailverliebtheit in der Folge leider etwas abnimmt.

Das fängt dann auch schon bei der Handlung an. Die Erde wird angegriffen. Visualisiert wird das durch herabfallendes Geröll, dem General Norton gerade noch so ausweichen kann. Einigkeit herrscht in der Frage, wie das geschehen konnte, so dass ein verschlüsselter Funkspruch an alle Weltraumstationen gesendet wird, der daraufhin von einer Station unverschlüsselt weitergeleitet wird. Der Inhalt? Unbekannt. Die Folgen für die unverschlüsselte Übermittlung? Unbekannt. Ist halt so.

Als die Raumstation schließlich die Verbindung zur Erde verliert, macht sich der General höchstpersönlich auf, um nach dem Rechten zu sehen. Ehrlich gesagt war ich mir bis zum Schluss nicht sicher, ob das jetzt eine Raumstation war, oder die einzige, die die Erde zu bieten hatte. Aber ist ja auch egal.

Der General mit Tochter
Auf jeden wird die Raumstation von Kommandant Jackson kommandiert (wer hätte das gedacht?), der mit der heißen Rothaarigen anbandelt, auf der Erde aber noch mit der Tochter des Generals liiert ist. Die nutzt dann auch die Chance, mit ihrem Vater zur Raumstation zu reisen, um dort nach ihrem Verlobten und dem Rechten zu sehen.

In der Zwischenzeit entdecken die Wissenschaftler einen Planeten, der von der Besatzung der Raumstation als Wurzel allen Übels erkannt wird, während die drögen Wissenschaftler der Erde davon ausgehen, dass der Planet sicher nicht Schuld an den Zerstörungen der Erde ist und eine weitere Erforschung untersagen.

Weil Kommandant Jackson der Kommandant ist, ignoriert er die Befehle und macht sich auf den Weg, das Übel auszurotten.

So sinnlos sich das alles anhört, so sinnlos ist es auch. Vieles in dem Film wird nur behauptet, die Fäden, an denen die Astronauten hängen dürften selbst den Zuschauern von 1965 nicht entgangen sein und die unmotivierte Haltung einiger Darsteller bei Weltraumspaziergängen ist auch mit dem niedrigen Budget nicht zu erklären.

Immerhin zu gute halten muss man dem Film aber, dass man überhaupt versucht hat, Schwerelosigkeit zu thematisieren und irgendwie darzustellen.

Drei gehen rein
Nicht zu gute halten muss man aber fragwürdige Entscheidungen des Drehbuchs, die man selbst mit niedrigem Budget  hätte verhindern können. Immer wieder gibt es Entscheidungen, die keinen Sinn ergeben. Zum Beispiel wird für die finale Bombe eine Zündschnur verlegt, die komplett sinnlos ist, weil sich am Ende eines der Besatzungsmitglieder opfert, um die Bombe manuell zu zünden. Die Zündschnur wird wohlgemerkt NACH dieser Entscheidung verlegt. Oder dass man Leute zurückschickt, um eine Genehmigung zum Einsatz der Bombe einzuholen. Dadurch dass es keine Funkverbindung gibt, erreicht die Genehmigung das Außenteam ohnehin nie. Dann noch der Helmwechsel, bei dem der Techniker mit dem Kommandanten seinen Helm wechselt. Die dahinter liegende Motivation wird nicht wirklich ersichtlich.

Die Dauerfönwelle des leicht schmierigen Hauptdarstellers war auch für einige Witze gut und die recht unmotiviert dreinschauende Tochter des Generals konnte man ebenfalls abhaken.

Aber sind wir doch mal ehrlich: genau deswegen schauen wir den Film doch. 

Den Film gibt's auch komplett auf Youtube: 


Heckflosse = Zukunft! 
Xander: Orion 3000 entpuppt sich als Jim Knopf meets Mondbasis Alpha. Leider hat er weder den Charme des einen noch des anderen. Aber er hat einen kruden Macho-Appeal, der vor Sprüchen wie „Wir sind seit zehn Jahren Freunde, du dumme Sau!“ nicht halt macht. Zur weiteren Verteidigung muss man sagen, dass er herrlich bunt fotografiert ist und die Sets einiges an Eye-Candy mitbringen. Dennoch eher ein Kommandobasis-Fetisch Film. Wer es schätzt, wenn Männer und Frauen in silbernen Uniformen an roten Knöpfen drehen, wird diesen Film lieben. Ein putziger Einstieg, der wie Zuckerwatte zum Mittag wirkt. Lecker, wenn man in Stimmung ist. Und wir waren es.

Wohlwollende 4 Punkte.

Andreas: Immerhin könnte der Kontrast zum nächsten Film

Mädchen mit Gewalt



nicht größer sein. Eine deutsche Produktion von 1970, die sich eines ernsten Themas annimmt, gut gefilmt ist und auch noch über gute Schauspieler verfügt. Neben Klaus Löwitsch und Arthur Brauss ist die leider viel zu früh verstorbene Helga Anders zu sehen, die die Rolle der Alice mit viel Lolita-Charme und Talent füllt.

Werner und Mike sind Kumpel und sind ständig auf der Suche nach Frischfleisch. Am Wochenende machen sie im Münchner Umland die Discos unsicher und gabeln sich junge Mädels auf. An diesem Wochenende treffen sie auf einer Kartbahn die junge Alice, die in Begleitung ihrer Clique dort ein paar Runden dreht. Nach einem Umfall kommt man ins Gespräch und verbringt den Abend zusammen in einer Kneipe. Von dort geht’s weiter an einen Badesee. Mike und Werner nehmen Alice mit, aber die falsche Ausfahrt.

Was dann folgt, ist ein Psychospielchen zwischen den Akteuren, das in der Vergewaltigung der jungen Frau gipfelt. Plötzlich scheint alles anders. Mike attackiert Werner und fast scheint es, als wäre das Martyrium für das Vergewaltigungsopfer bald vorbei. Aber nur fast, denn schon bald ist wieder alles anders.

Das ist auch so ziemlich die einzige Schwachstelle des Films: viel zu häufig ändern sich Motivation und Entscheidungen der Darsteller. Schnell, viel zu schnell, scheint die junge Frau gebrochen, und ergibt sich ihrem Schicksal. Irgendwo scheint der Film auch die Behandlung von Vergewaltigungsopfern durch die Justiz anzuprangern, was in einer eindringlichen Darstellung der Täter gegenüber dem Opfer deutlich wird.

Wie bereits geschrieben unterscheidet sich der Film durch seine Machart nicht unwesentlich von seinem Vorgänger. Er verbreitet definitiv keine gute Laune und ist in seiner Machart unverhohlen und direkt. Schmerzhaft. Eine kleine Perle, die ich sonst vielleicht nie gesehen hätte.

Aber leider, und da bin ich ganz ehrlich, war das irgendwie der falsche Film nach Orion 3000, und hat mich in der komplett falschen Stimmung erwischt. So im nach hinein würd ich da meine Wertung des Stimmzettels nochmal leicht nach oben korrigieren.  Da war ich im Affekt etwas zu hart.

Besonders erwähnenswert finde ich noch den von Can eingespielten Soundtrack, der den Film noch weiter aufwertet.

Auf jeden Fall viel Respekt in Richtung der Verantwortlichen, die den Film mit Sorgfalt restauriert haben und ihn just die Tage neu und ungeschnitten auf Blu-ray veröffentlichen.

Xander: Mädchen mit Gewalt ist ein roher Schauspielerfilm, der hervorragend fotografiert ist und sich zumindest anfangs Mühe gibt, ein Charakterportrait zu liefern. Mit einem deutschen Last House on The Left liegt man nicht falsch in der Erwartung. Die junge „deutsche Bardot“ Helga Anders ist eine Augenweide. Klaus Löwitsch spielt mit so viel Lebenskraft, dass man sich sofort eine Peter Strom DVD Box kaufen möchte. Und der Film ist höllisch modern geschnitten. Von der Atmosphäre stelle man sich Fassbinders „Warum läuft Herr R. Amok?“ mit Michael Bay Bildern und Schnitt vor.

Nun zum Negativen:

Leider rutscht der Film in behauptete Figurenentwicklungen ab, die nicht nachvollziehbar sind. Alice  wird vergewaltigt und verteidigt schließlich ihren Vergewaltiger. Ein spannendes Motiv, an dem der Regisseur aber scheitert, weil er lieber zeigt, wie sich Löwitsch und Brauss in einer Kiesgrube prügeln. Der Film krankt auch an dieser einzigen Location, einer Sandgrube. Filmhistorisch gesehen ist der Film jedoch hochinteressant. Es ist deutsche Exploitation, die mehr sein will. Damit verrät der Film viel über seine Zeit und ist ein faszinierendes Szeneportrait (München Anfang der Siebziger). Sehenswert für Freunde des anderen deutschen Filmes. Die Filmrestauratoren waren auch da und würden sich über eine Nachfrage der Blu-ray freuen. Man sollte einen Blick riskieren. Vermutlich lernt man mehr übers Filme machen als bei Michael Bay.

Andreas: Bereits vor seinem Vortrag begegnet uns

Christian Keßler

auf der Terrasse des Gebäudes und ist einem spontanen Plausch inklusive Fotosession nicht abgeneigt. 


Bereits hier zeigt sich, dass Christian eine Rampensau ist, die auf die Leute zugeht, und sich selber nicht zu ernst nimmt. Ein Bild, das er auch auf der Bühne verkörpert, wo er mit viel Witz, Insiderwissen und echter Begeisterung rund zwei Stunden durch diverse Ausschnitte führt und seiner Liebe zu etwas  anderen Filmen freie Bahn lässt.

So wehrt er sich gegen die Kategorisierung der Trashfilme, die seiner Meinung nach nur für kalkulierten Müll z. B. seitens Asylum stehen sollte. Die Bezeichnung als „Müll“ kann seiner Meinung nach nicht für Filme stehen, die zwar mit wenig Budget, dafür aber viel Herzblut realisiert wurden. Die Kategorisierung als Müll ist eine Beleidigung, die auch im satirischen Bruch nichts von seiner Wirkung verliert, und den Machern, sowie den Werken nicht gerecht wird. Viel mehr sieht er die kleinen liebevollen Details, die manchmal dem fehlenden Budget, manchmal dem Talent der Beteiligten entsprungen sind. Das können Aufnahmen von Füßen sein, die fehlende Szenen zwischen zwei Schnitten überspielen, oder die Darstellung nackter weiblicher Anatomie, ohne dabei ins Anzügliche abzurutschen. Wer mehr darüber wissen möchte, dem möchte ich sein Buch Wurmparade auf dem Zombiehof ans Herz legen.

Trotzdem komm ich nicht ganz umhin, zumindest dahingehend mein Veto einzulegen, dass man auch bei gut gemeinten Filmen durchaus von Trash reden kann, ohne das von oben herab oder denunzierend zu meinen. Dass man nicht immer mit den Filmen lacht, macht nicht selten den Unterhaltungswert aus und wenn die Filme zumindest noch auf diese Art zu unterhalten wissen, haben sich doch auch irgendwie ihr Ziel erreicht. Vielleicht gehen die Meinungen auch dahingehend auseinander, ab wann man mit oder über einen Film lacht. Zumindest ich hab aber kein schlechtes Gewissen, wenn ich in meiner spontan geäußerten Kritik einen Film (vielleicht zu) hart anfasse. Aber ich bin auch kein Filmjournalist. 

Aber gut, von solchen Nickeligkeiten abgesehen, war es ein gelungener Vortrag. Einzig die Lokation kam an ihre Grenzen. Bei Filmen bis eineinhalb Stunden lässt es sich in dem kleinen Kinosaal noch meistens gut aushalten, alles was darüber geht, ist mangels Belüftung schon anstrengend. Worunter auch die Konzentration leidet. Da freu ich mich schon auf nächstes Jahr, wenn die Veranstalter zukünftig in das größere Kino im Gebäude gehen.

Vielleicht noch kurz zum Buch: Am Freitag gekauft, hab ich es bis Stand jetzt ungefähr bis zur Hälfte gelesen und finde es bisher uneingeschränkt empfehlenswert. Wer auch nur den Funken Interesse an der Materie hat, sollte zugreifen.

Christian Keßler live und unscharf
Xander: Christian Keßler ist ein Juwel. Was er in zwei Stunden abbrennt, ist nicht weniger als ein Ritt durch die wahre Filmgeschichte. Hier wird alles gezeigt, was wir schon immer mal sehen wollten, aber nicht geglaubt haben, dass es existiert. Keßler ist ein verstehender Sprach- und Filmakrobat, der es schafft, das Schöne im Gescheiterten zu finden. Uneingeschränkt empfehlenswert. Damit wird das Festival extrem aufgewertet. Weiter so.


Andreas: Zu


Die Riffs III

hab ich ja schon mal etwas geschrieben,  weswegen ich auf die Handlung und den Film jetzt gar nicht näher eingehen möchte. Der Film ist immer noch ein Riesenspass und gewinnt im Kinoformat sogar noch etwas. Widersprechen möchte ich aber Herrn Kessler, für den klar ist, dass in dem Film keine Ratten ernsthaft verletzt wurden. In einer Einstellung sieht man eine brennende Ratte durch die Kanalisation und angesichts der sonstigen Spezialeffekte würd ich einfach mal davon ausgehen, dass da ein echtes Tier Feuer gefangen hat. Meine Empathie für Ratten hält sich allerdings in Grenzen.

Xander: Riffs 3 ist ein Meisterwerk des Schlocks. Hervorragend fotografiert denkt er Thriller von Michael Jackson mit Ratten zu Ende. Vor allem die vielen hübschen Schauspielerinnen, die alle an Tina Turner oder La Toya Jackson erinnern, machen den Film zu einem verfilmten EC-Comic.

Action wechselt sich mit Horror ab und es gibt kaum eine misslungene Szene. Man stelle sich ein Musikvideo aus den Achtzigern (Haarspray-Frisuren, lange Wimpern) mit Knarren und Ratten vor.

Ein würdiger Abschluss für den ersten Tag.

Auch Riffs 3 gibt es komplett auf Youtube zu sehen: 



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